Dieser Artikel wurde zuerst auf The Bit Journal veröffentlicht.
Passive Exposition mag die ursprüngliche Strategie bei der Konzeption von Krypto-ETFs gewesen sein, aber der Markt ist seitdem gereift, und das müssen auch die Anleger. Jahrelang war der gängigste Ansatz sowohl für Privatanleger als auch für Vermögensverwalter simpel: Bitcoin kaufen, halten und auf eine Wertsteigerung warten.
Dieses „HODL“-Modell hat in früheren Zyklen funktioniert, weil das langfristige Wachstum von Bitcoin traditionelle Vermögenswerte immer wieder übertroffen hat. Das galt auch für die frühen Krypto-ETFs, die es Anlegern ermöglichten, von Preissteigerungen zu profitieren, ohne auf aktives Management angewiesen zu sein.
Nach Ansicht von Duncan Moir von 21Shares wird dieser Rahmen jedoch hinfällig. Er argumentiert, dass Krypto nach wie vor eine sich entwickelnde Anlageklasse ist, wodurch sie sich besser für aktive Strategien als für eine passive Allokation eignet.
Aktive Renditegenerierung gegenüber passivem Halten
Die Suche nach Rendite ist einer der größten Motivatoren hinter der aktuellen Krypto-ETF-Strategie.
Vermögensverwalter entwerfen Produkte, die Einkommen generieren und nicht nur von der Preissteigerung abhängen. Dazu gehören renditeträchtige Instrumente, Staking-Belohnungen und strukturierte Engagements in anderen Finanzwerten mit Krypto-Bezug.
Ein Beispiel hierfür ist die Einführung eines börsengehandelten Produkts durch 21Shares, das an Vorzugsaktien von Strategy gebunden ist und STRC genannt wird. Mit einer Dividende von bis zu 11,5 % pro Jahr, die monatlich ausgezahlt wird, hat das Produkt bereits eine starke Nachfrage aus mehreren Regionen angezogen.
Dies zeigt eine deutliche Veränderung der Anlegererwartungen. Institutionen sehnen sich nach mehr als nur passiver Exposition. Sie suchen nach vorhersehbaren Renditen, insbesondere in einem Markt, der nicht gerade für Stabilität bekannt ist. Daher wandelt sich die Krypto-ETF-Strategie dahingehend, sowohl Kapitalzuwachs als auch Einkommensgenerierung anzustreben.
Verändertes Anlegerverhalten: Highlights der Nachfrage nach Regionen
Den Daten zufolge sind die Vereinigten Staaten mit bisher rund 638 Millionen US-Dollar in diesem Jahr weiterhin der führende Markt für Krypto-ETF-Zuflüsse. Deutschland folgt an nächster Stelle mit 377 Millionen US-Dollar, und die Schweiz verzeichnete etwa 233 Millionen US-Dollar.
Obwohl die USA bei den Zuflüssen führen, konzentriert sich ein Großteil davon auf Bitcoin und Ethereum. Im Gegensatz dazu liegt der Fokus europäischer institutioneller Anleger stärker auf neueren Vermögenswerten und Engagements in der Anwendungsschicht außerhalb von Layer-1-Netzwerken.
Europäische Anleger gelten in Bezug auf ihr Krypto-Engagement als reifer und besitzen oft bereits Bitcoin und Ethereum. Infolgedessen sind sie nun auf der Suche nach Diversifizierung durch anspruchsvolle und aktive Produkte.
Staking und strukturierte Produkte definieren den Nutzen von ETFs neu
Staking ist eine Möglichkeit für Anleger, Belohnungen zu verdienen, indem sie Vermögenswerte zur Unterstützung von Blockchain-Netzwerken sperren. Genau diese Funktion wird nun in die Struktur von ETFs integriert, um sie von passiven Trackern zu einkommensgenerierenden Instrumenten weiterzuentwickeln.
Beispielsweise hat Grayscale das Staking in seinen Ethereum-basierten Produkten ermöglicht, und BlackRock hat kürzlich einen an der Nasdaq notierten Ethereum-Fonds mit Staking aufgelegt, der an seinem Debüttag ein Handelsvolumen von etwa 15,5 Millionen US-Dollar verzeichnete.
Diese Innovationen verändern das Kernwertversprechen von Krypto-ETFs. Sie bilden nicht mehr nur die Preise der Vermögenswerte ab, sondern fügen zusätzliche Renditen hinzu. Vermögensverwalter ziehen auch thematische Strategien in Betracht. 21Shares hat ein Bitcoin- und Gold-ETP entwickelt, um die Nachfrage nach sicheren Häfen angesichts von Währungsabwertungssorgen und steigenden US-Schuldenständen zu bedienen.
Dies gibt Anlegern Hinweise darauf, wie sich die Krypto-ETF-Strategie weg von der Exposition gegenüber Einzelwerten verändert.
Marktgröße und das Ende rein passiver Modelle
Belege für den Rückzug vom passiven Investieren finden sich auch in allgemeineren Branchendaten.
Weltweit verwalten aktiv verwaltete ETFs laut Daten von Morningstar und Goldman Sachs Asset Management per Ende 2025 ein Vermögen von 1,8 Billionen US-Dollar. Dieser Trend breitet sich nun auch im Krypto-Sektor aus.
Stand März 2026 beträgt das gesamte verwaltete Vermögen (AUM) von Krypto-ETFs etwa 130 Milliarden US-Dollar, nachdem es von fast 240 Milliarden US-Dollar am Höchstpunkt im Jahr 2025 eingebrochen war. Dieser Rückgang offenbart ein dringendes Problem: Das frühere Vertrauen auf rein passive Exposition allein reicht nicht aus, um das Wachstum in diesem wettbewerbsintensiveren und volatileren Markt voranzutreiben.
Vermögensverwalter reagieren darauf, indem sie komplexere Produkte konstruieren, die eine verbesserte risikobereinigte Performance bieten sollen.
Fazit
Die passive Krypto-ETF-Strategie bricht sichtlich auf. Was als einfaches „Kaufen und Halten“-Modell begann, wandelt sich nun in etwas Komplexeres in Bezug auf Rendite, Diversifizierung und aktives Management um. Dieser Wandel wird durch die Realität des Risikos vorangetrieben, da diese Vermögenswerte volatil sind und viele Anleger möchten, dass ihr Geld unter diesen Bedingungen effizienter arbeitet.
Während passive Strategien die frühen Krypto-ETFs geprägt haben mögen, baut die Zukunft zunehmend auf aktiven, einkommensgenerierenden sowie thematischen Ansätzen auf.
Glossar
Krypto-ETF-Strategie: Wie Vermögensverwalter börsengehandelte Kryptofonds strukturieren und verwalten.
Passives Investieren: Eine Strategie, die dem Preis eines Vermögenswerts ohne aktive Entscheidungsfindung folgt.
Aktives Management: Eine Strategie, bei der die Portfolio-Allokationen basierend auf den aktuellen Marktbedingungen angepasst werden.
Staking: Das Sperren von Kryptowährungen, um Belohnungen zu verdienen und den Token oder die Blockchain im Betrieb zu unterstützen.
ETP: Ein börsengehandeltes Produkt (Exchange Traded Product), das dazu dient, ein Engagement in Vermögenswerten zu ermöglichen.
Häufig gestellte Fragen zur Krypto-ETF-Strategie
Warum kommen passive Krypto-ETF-Strategien aus der Mode?
Weil Anleger nun Rendite, Diversifizierung und aktives Management wollen und nicht mehr nur eine reine Preisabbildung.
Was ist der Grund für den Wandel in der Krypto-ETF-Strategie?
Marktreife, die Nachfrage der Anleger nach Einkommen und der verschärfte Wettbewerb unter den Vermögensverwaltern.
Wie schafft Staking bessere Krypto-ETFs?
Es ermöglicht den Fonds, zusätzlich zur Wertsteigerung des Preises eine extra Rendite zu erwirtschaften.
Wie verteilt sich das Wachstum von Krypto-ETFs auf die Regionen?
Die Zuflüsse werden von den USA dominiert, aber Europa zeigt mehr Appetit auf diversifizierte und anspruchsvolle Produkte.

