Binance Hack: Verdächtige Abflüsse von bis zu 5,8 Mrd. US-Dollar

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Binance untersucht verdächtige Abflüsse in Milliardenhöhe aus Wallets, die der Börse zugeordnet werden.

Beim mutmaßlichen Binance Hack schätzen On-Chain-Tracker, dass am 29. Oktober 2026 zwischen rund 5,5 und 5,8 Milliarden US-Dollar aus Wallets abgeflossen sind, die der Börse zugeordnet werden. Binance sagt, man untersuche den Vorfall. Tether und Circle haben einen Teil der betroffenen Stablecoins schnell eingefroren. Binance hat jedoch keine Schadenssumme bestätigt, alle Zahlen sind vorläufige Schätzungen.

Warum das wichtig ist

Bestätigt sich der Binance Hack als Diebstahl, wäre es der größte Krypto-Hack aller Zeiten. Er wäre um ein Vielfaches größer als der Bybit-Diebstahl von rund 1,5 Mrd. US-Dollar im Februar 2025, bislang der größte Börsen-Hack. Zugleich stellt er auf die Probe, wie viel Stablecoin-Emittenten nach einem Angriff einfrieren können.

Was über den Binance Hack bekannt ist

Wie The Block berichtet, meldete der Analyst Spreek rund 3,55 Mrd. US-Dollar, die auf eine nicht gekennzeichnete Wallet flossen. Fast 900 Mio. US-Dollar davon wurden an weitere Adressen weitergeleitet. Conor Grogan, Senior Director bei Coinbase, bezifferte die Gesamtsumme auf bis zu 5,8 Mrd. US-Dollar.

Andere Zählungen liegen in derselben Größenordnung. Die On-Chain-Auswertung von Decrypt kam auf mindestens 5,57 Mrd. US-Dollar, die Binance-nahe Wallets verlassen haben. Eine spätere Zählung von PANews über Binance-gekennzeichnete Wallets erreichte am 30. Oktober um 5:22 Uhr Pekinger Zeit etwa 5,643 Mrd. US-Dollar.

BlockchainZählung DecryptZählung PANews (30. Okt., 5:22 Uhr Peking)
Ethereum3,51 Mrd. $3,528 Mrd. $
Bitcoin1,44 Mrd. $ (18.270 BTC)1,449 Mrd. $
Tron630 Mio. $628 Mio. $
Arbitrum, Optimism, Basek. A.38 Mio. $

Binance Hack: Die Chronologie auf der Blockchain

Laut einer von CryptoTicker erstellten Chronologie wurde eine Wallet mit dem Label „Binance 14“ um 20:20 Uhr UTC per EIP-7702 an einen externen Smart Contract delegiert. Vier Minuten später verließen 167.464 ETH und 63 weitere Token in einer einzigen Transaktion die Wallet. Ziel war eine Adresse, die Etherscan inzwischen als „Binance Hot Wallet Exploiter 2“ führt.

Die Vorbereitung begann früher. Kiprinform berichtet unter Berufung auf Etherscan und On-Chain-Analysten, die auslösende Adresse sei am 28. und 29. Oktober mit drei Einzahlungen von etwa 0,1 ETH über den Mixer Tornado Cash finanziert worden. Um 17:59 Uhr zyprischer Zeit, mehr als vier Stunden vor den Abflüssen, setzte sie den Smart Contract auf, der die Abhebungen ausführte.

Die eingefrorenen Stablecoins

Decrypt zufolge froren Tether 975,1 Mio. USDT und Circle 823 Mio. USDC in der Haupt-Empfängerwallet um 21:04 Uhr UTC ein, zusammen rund 1,8 Mrd. US-Dollar. The Block zitiert Tether-CEO Paolo Ardoino mit mehr als 1,567 Mrd. eingefrorenen USDT. PANews zählte bis 5:22 Uhr Pekinger Zeit am 30. Oktober mindestens 2,316 Mrd. US-Dollar an eingefrorenen Mitteln. Die PANews-Zahl entstand später in der Nacht, die übrigen Abweichungen erklären die Quellen nicht.

Serverschrank im Rechenzentrum mit einer roten Warnleuchte zwischen grünen Statuslichtern
Laut CryptoTicker flossen Gelder vier Minuten nach der Delegation einer Binance-Wallet an einen externen Smart Contract ab.

Was noch offen ist

Binance hat einen Angriff bislang nicht öffentlich bestätigt. Mitgründerin und Chief Customer Service Officer Yi He schrieb auf X, man sei „über Berichte zu einem möglichen Sicherheitsproblem informiert“ und untersuche dies aktiv. Zugleich warnte sie vor Betrugsversuchen. Decrypt zitiert Binance mit der Aussage, man habe „keine Auswirkungen auf Nutzergelder bestätigt“.

Ex-CEO Changpeng Zhao ging weiter. Um 21:15 Uhr UTC schrieb er, es sehe „nach einem Hack bei Binance aus“, die Nutzergelder seien aber sicher. Als Anteilseigner erwarte er, dass alle Nutzergelder vollständig gedeckt werden, berichtet CryptoTicker. Eine solche Zusage von Binance selbst findet sich in keinem der zitierten Berichte.

Keine der Quellen ordnet den Binance Hack einer bestimmten Gruppe zu. FinanceFeeds weist darauf hin, dass Binance am 27. Oktober erklärte, in der Vorwoche mehrere Angriffe mit Nordkorea-Bezug ohne Verluste von Nutzervermögen abgewehrt zu haben. Das FBI schrieb den Bybit-Diebstahl nordkoreanischen Hackern zu, eine Verbindung zum aktuellen Fall ist aber nicht belegt. Offen bleibt auch, wie die EIP-7702-Delegation der Binance-Wallet autorisiert wurde.

Wie Märkte und Analysten reagierten

Gehebelte Trader traf es schnell. Laut CryptoTicker wurden binnen einer Stunde rund 628 Mio. US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert. Unter den fünf Coins in der Tabelle verlor BNB auf 24-Stunden-Sicht am stärksten.

CoinKurs (29. Okt., 22:29 Uhr UTC)24h-Veränderung
Bitcoin (BTC)79.054 $-2,62 %
Ethereum (ETH)2.271,70 $-3,58 %
BNB702,36 $-7,10 %
XRP1,25 $-5,87 %
Solana (SOL)97,09 $-5,14 %

Quelle: CoinGecko. BNB schwankte innerhalb von 24 Stunden zwischen 683,14 und 760,02 US-Dollar. Decrypt meldete für BNB einen Rückgang um etwa 7 % auf rund 699 US-Dollar, Bitcoin rutschte unter 79.000 US-Dollar. Die 24-Stunden-Spanne von Bitcoin reichte von 78.475 bis 81.840 US-Dollar. Der Crypto Fear & Greed Index stand am 29. Oktober bei 51 (neutral). Da er täglich erscheint, bildet er die Ereignisse des Abends womöglich noch nicht ab.

Leerer Handelsplatz bei Nacht in einem gläsernen Büroturm mit Stadtlichtern im Hintergrund
Laut CryptoTicker wurden binnen einer Stunde rund 628 Mio. US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert.

Was der Binance Hack für Anleger bedeutet

Die zentrale Frage ist, wie bestätigte Verluste gedeckt würden. Leser dürften dazu eine klare Aussage von Binance erwarten, ebenso aktuelle Proof-of-Reserves-Berichte von Börsen, die zeigen, was eine Plattform tatsächlich hält.

Einige Risiken sollte man klar benennen:

  • Auf Hacks folgen oft Betrugsmaschen, Yi He hat bereits davor gewarnt. Gefälschte „Erstattungs“- oder „Verifizierungs“-Nachrichten fragen nach Zugangsdaten oder Seed-Phrases. Keine seriöse Börse verlangt eine Seed-Phrase.
  • Während der Aufarbeitung kann es zu verzögerten oder pausierten Auszahlungen kommen.
  • Solange Zahlen korrigiert werden, kann die Volatilität hoch bleiben, gehebelten Tradern drohen Liquidationen.
  • Guthaben auf jeder zentralen Plattform tragen ein Gegenparteirisiko.

Dies ist keine Empfehlung, Kryptowerte zu kaufen, zu verkaufen oder zu verschieben. Entscheidungen hängen von der persönlichen Situation ab, maßgeblich sind die offiziellen Mitteilungen von Binance.

Fazit

On-Chain-Daten deuten auf einen Binance Hack im Umfang von bis zu 5,8 Mrd. US-Dollar hin, je nach Zählung sind bisher rund 1,8 bis 2,3 Mrd. US-Dollar in Stablecoins eingefroren. Binance hat weder Verluste noch eine Ursache bestätigt. Entscheidend wird, ob eine offizielle Schadenssumme und eine Zuordnung folgen und ob die Nutzerguthaben, wie von Zhao erwartet, vollständig gedeckt werden.

Quellen

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

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