Dieser Artikel erschien zuerst im The Bit Journal. US-Gesetzgeber arbeiten daran, den rechtlichen Schutz für Nutzer von Kryptowährungen zu stärken, nachdem die spektakulären Zusammenbrüche von Celsius und Voyager erhebliche Lücken im Insolvenzrecht offengelegt haben. Nach Angaben von Senatorin Cynthia Lummis könnte der vorgeschlagene CLARITY Act verhindern, dass Kunden ihre Kryptowährungen verlieren, wenn künftig eine weitere Plattform insolvent wird.
CLARITY Act stärkt den Schutz von Krypto-Kunden
Cynthia Lummis fasste das Ziel des CLARITY Act am 20. Juli in einem viel beachteten Beitrag auf X mit den Worten zusammen: „Deine Kryptowährungen bleiben dein Eigentum.“ Die Aussage fand schnell große Aufmerksamkeit und wurde von vielen als Reaktion auf die rechtlichen Probleme verstanden, die durch den Zusammenbruch mehrerer Krypto-Kreditplattformen entstanden sind.
Eine der wichtigsten Bestimmungen des Gesetzentwurfs ist Section 701. Diese sieht vor, dass bestimmte digitale Rohstoffe (Digital Commodities) und sogenannte „Ancillary Assets“ als Eigentum der Kunden gelten, sofern sie während bestimmter Insolvenzverfahren nach Chapter 7 im Auftrag der Kunden verwahrt werden. Dadurch würden diese Vermögenswerte nicht in die Insolvenzmasse des Unternehmens fallen, sondern nach den Regeln zum Kundeneigentum direkt den Kunden zustehen.
When Celsius and Voyager went bankrupt, customer deposits didn’t stay customer deposits. They became assets in a bankruptcy pool, fought over by creditors who had never even heard of the customers who owned them. The Clarity Act changes the rule so your crypto stays yours, even…
— Senator Cynthia Lummis (@SenLummis) July 20, 2026
Vermögensklassifizierung entscheidet über den Insolvenzschutz
Der Schutz durch den CLARITY Act gilt jedoch nicht automatisch. Juristen weisen darauf hin, dass die Anspruchsberechtigung von mehreren Faktoren abhängt, darunter die Art des digitalen Vermögenswerts, die Struktur des Kontos sowie das jeweilige Insolvenzverfahren. Kryptowährungen, die lediglich verwahrt werden, haben deutlich bessere Chancen auf Schutz als Vermögenswerte, die in Kredit- oder Renditeprogramme eingebracht wurden.
Darüber hinaus unterscheidet der Gesetzentwurf zwischen verschiedenen Anlageklassen. Traditionelle Wertpapiere, Bankeinlagen und Warentermingeschäfte bleiben den bestehenden gesetzlichen Regelungen unterstellt. Zahlungstablecoins werden wiederum in einem separaten Abschnitt des CLARITY Act behandelt.
Celsius-Insolvenz zeigt die Bedeutung des CLARITY Act
Die Insolvenz von Celsius verdeutlicht, warum der CLARITY Act für viele Anleger von großer Bedeutung ist. Im Januar 2023 entschied ein US-Insolvenzgericht, dass Kryptowährungen im Wert von rund 4,2 Milliarden US-Dollar, die sich auf etwa 600.000 Earn-Konten befanden, Teil der Insolvenzmasse und nicht Eigentum der einzelnen Kunden waren.
Grundlage dieser Entscheidung war die Vereinbarung zwischen Celsius und seinen Kunden. Darin wurde festgelegt, dass eingezahlte Kryptowährungen in das Eigentum von Celsius übergehen. Dadurch wurden Nutzer der Earn-Konten lediglich als ungesicherte Gläubiger eingestuft und nicht mehr als Eigentümer ihrer digitalen Vermögenswerte. Die Chancen, ihre Einlagen vollständig zurückzuerhalten, waren dadurch erheblich eingeschränkt.
Mit dem CLARITY Act könnten Kunden in vergleichbaren Fällen künftig besser geschützt sein insbesondere dann, wenn ihre Kryptowährungen nicht an die Plattform verliehen wurden.
CLARITY Act steht weiterhin vor rechtlichen Herausforderungen
Trotz der positiven Einschätzung von Senatorin Lummis bestehen weiterhin rechtliche Unsicherheiten. Plattformen, die Kundengelder ausschließlich verwahren, könnten unter Section 701 einen stärkeren Schutz genießen. Stimmen Nutzer jedoch ausdrücklich Kredit- oder Lending-Modellen zu und übertragen dabei das Eigentum an ihre Vermögenswerten auf die Plattform, könnten Gerichte weiterhin entscheiden, dass ihnen lediglich Rückzahlungsansprüche zustehen.
Der Gesetzentwurf stärkt außerdem das Recht auf Self-Custody durch selbstverwaltete Wallets. Dadurch wird eine klare Trennung zwischen Vermögenswerten geschaffen, die sich direkt unter der Kontrolle der Nutzer befinden, und jenen, die von Finanzdienstleistern verwaltet werden.
Der Bankenausschuss des US-Senats hat das erweiterte CLARITY-Act-Paket bereits im Mai verabschiedet. Eine Abstimmung im gesamten Senat steht jedoch noch aus. Die endgültige Formulierung von Section 701 dürfte entscheidend dafür sein, wie wirksam das Gesetz Krypto-Anleger bei zukünftigen Plattforminsolvenzen tatsächlich schützen kann.
Fazit
Der CLARITY Act könnte einen grundlegenden Wandel bei der Behandlung von Kryptowährungen im Insolvenzfall bewirken. Wie weitreichend der Schutz letztlich ausfällt, hängt jedoch von der endgültigen Gesetzesfassung sowie von der jeweiligen Kontostruktur ab. Bis dahin sollten Anleger genau prüfen, ob sich ihre digitalen Vermögenswerte in einer reinen Verwahrung oder in einem Lending-Programm befinden.
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Zusammenfassung
- Der CLARITY Act soll Kundengelder in Form von Kryptowährungen bei Insolvenzen besser schützen.
- Verwahrte Kryptowährungen könnten stärker abgesichert sein als Vermögenswerte in Lending-Programmen.
- Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch vom US-Senat verabschiedet werden.
Glossar wichtiger Begriffe
CLARITY Act: Vorgeschlagener US-Gesetzentwurf zur Regulierung und zum Schutz von Kryptowährungen.
Section 701: Bestimmung, die qualifizierte Kryptowährungen im Kundeneigentum bei bestimmten Insolvenzen schützt.
Chapter-7-Insolvenz: Verfahren zur Liquidation der Vermögenswerte eines Unternehmens.
Kundeneigentum (Customer Property): Kryptowährungen, die rechtlich den Kunden gehören.
Verwahrkonto (Custody Account): Konto, auf dem eine Plattform Kryptowährungen im Auftrag des Kunden verwahrt.
Lending-Konto: Konto, auf dem Kryptowährungen zur Kreditvergabe oder Erzielung von Renditen eingesetzt werden.
Insolvenzmasse (Bankruptcy Estate): Gesamtheit der Vermögenswerte eines insolventen Unternehmens.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der CLARITY Act?
Der CLARITY Act ist ein vorgeschlagener US-Gesetzentwurf, der den Schutz von Krypto-Kunden verbessern soll.
Welche Aufgabe hat Section 701?
Sie schützt qualifizierte Kryptowährungen im Kundeneigentum während bestimmter Insolvenzverfahren.
Warum ist der Fall Celsius so bedeutend?
Er zeigte, dass Lending-Vereinbarungen dazu führen können, dass Kunden ihr Eigentumsrecht an Kryptowährungen verlieren.
Ist der CLARITY Act bereits geltendes Recht?
Nein. Der Gesetzentwurf wartet weiterhin auf die Zustimmung des US-Senats.
Quellen
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine Finanz-, Anlage- noch Handelsempfehlung dar. Kryptowährungen sind mit hohen Risiken verbunden und unterliegen starken Kursschwankungen. Leser sollten vor einer Investition eigene Recherchen durchführen und sich von einem qualifizierten Finanzberater beraten lassen.

