Dieser Artikel wurde erstmals im The Bit Journal veröffentlicht. Führende Interessenverbände der Kryptoindustrie drängen US-Gesetzgeber dazu, eine Reform voranzutreiben, die die Zukunft der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten maßgeblich beeinflussen könnte. Die Blockchain Association, der Crypto Council for Innovation und die Digital Chamber richteten am 21. Juni ein gemeinsames Schreiben an die Führung des Kongresses. Darin forderten sie die Verabschiedung des Gesetzentwurfs H.R. 9175 in seiner aktuellen Form, da dieser endlich mehr Rechtssicherheit für Krypto-Miner und Staker schaffen würde.
Mining und Staking stehen im Mittelpunkt der Steuerdebatte
Die Forderung wurde an die Vorsitzenden des Steuerausschusses des Repräsentantenhauses, Jason Smith und Richard Neal, gerichtet. Hintergrund ist die anhaltende Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung der Krypto-Besteuerung. Vertreter der Branche argumentieren, dass die derzeitigen Regelungen unnötige Belastungen für jene schaffen, die Blockchain-Netzwerke durch Mining und Staking absichern.
Im Kern geht es um die Frage, zu welchem Zeitpunkt Belohnungen aus Blockchain-Netzwerken steuerpflichtig werden sollen. Nach den aktuellen Richtlinien gelten Mining- und Staking-Erträge grundsätzlich bereits beim Erhalt als steuerpflichtiges Einkommen, basierend auf ihrem damaligen Marktwert. Kritiker bemängeln jedoch, dass Steuerzahler dadurch möglicherweise Abgaben auf Vermögenswerte entrichten müssen, die sie noch gar nicht verkauft haben. In der Kryptobranche wird dieses Problem häufig als „Phantom Income“ bezeichnet.
H.R. 9175 soll mehr Flexibilität bei der Besteuerung schaffen
Der Gesetzentwurf H.R. 9175 soll genau dieses Problem lösen. Steuerpflichtige könnten künftig selbst entscheiden, ob sie ihre Einnahmen bereits beim Erhalt der Rewards oder erst beim späteren Verkauf beziehungsweise bei der Veräußerung der Vermögenswerte versteuern möchten.
Befürworter argumentieren, dass dieses Modell die Steuerpflicht grundsätzlich aufrechterhält, gleichzeitig aber verhindert, dass Marktteilnehmer ihre Bestände verkaufen müssen, nur um Steuerforderungen begleichen zu können. Zudem würde das System der Krypto-Besteuerung modernisiert, während der Staat weiterhin Steuereinnahmen sichern könnte.
Die Verbände betonten außerdem die wirtschaftliche Bedeutung der Blockchain-Infrastruktur. Der Gesamtwert digitaler Vermögenswerte in Proof-of-Work- und Proof-of-Stake-Netzwerken beläuft sich demnach auf mehr als 1,7 Billionen US-Dollar. Klare und vorhersehbare Steuerregeln würden es mehr Amerikanern ermöglichen, sich aktiv an der Sicherung dieser Netzwerke innerhalb der USA zu beteiligen.
Neuer Widerstand gegen den Gesetzentwurf
Obwohl der Gesetzentwurf breite Unterstützung aus der Kryptoindustrie erhält, regt sich auch Widerstand. Der Abgeordnete Horsford (R-39) brachte kürzlich einen Änderungsantrag ein, der die Möglichkeit der Steuerstundung auf fünf Jahre begrenzen würde.
Ji Hun Kim, CEO des Crypto Council for Innovation, kritisierte diesen Vorschlag. Er erklärte, eine solche Einschränkung würde die Vorteile des Gesetzes deutlich reduzieren und kaum zusätzliche Steuereinnahmen generieren.
Auch die beteiligten Branchenverbände äußerten ähnliche Bedenken. Ihrer Ansicht nach würden zeitliche Beschränkungen die Einhaltung der Vorschriften verteuern und komplizierte Dokumentationspflichten über mehrere Wallets und Konten hinweg erforderlich machen. Der Änderungsantrag würde viele Probleme zurückbringen, die H.R. 9175 eigentlich lösen soll, und die Krypto-Besteuerung für durchschnittliche Nutzer noch komplizierter machen.
For years, CCI has argued for proper taxation of staking rewards. Rep. Horsford’s amendment would unfortunately break H.R. 9175, replacing it with a 5-year forced-sale clock on staking and mining rewards that JCT says raises negligible revenue. We greatly appreciate his… https://t.co/Lmt4OfxfxI
— Ji Kim (@_jikim) June 22, 2026
Banken kritisieren unterschiedliche steuerliche Behandlung
Währenddessen hat die American Bankers Association deutliche Einwände gegen die geplante Regelung erhoben. Der Verband argumentiert, dass eine bevorzugte steuerliche Behandlung von Krypto-Erträgen gegenüber Bankzinsen, Dividenden und anderen Einkommensarten zu Wettbewerbsverzerrungen führen würde.
Kritiker befürchten zudem, dass digitale Vermögenswerte durch die Möglichkeit der Steuerstundung attraktiver erscheinen könnten als klassische Sparprodukte.
Der Gesetzentwurf liegt derzeit weiterhin beim House Ways and Means Committee. Dort wird darüber beraten, ob Innovation und mehr Klarheit für die Kryptoindustrie gefördert werden sollen oder ob eine einheitliche Besteuerung aller Anlageformen Vorrang haben sollte. Die Entscheidung könnte die Steuer- und Regulierungspolitik für digitale Vermögenswerte in den USA über Jahre hinweg prägen.
Fazit
Die Zukunft der Krypto-Besteuerung liegt nun in den Händen des US-Kongresses. Während Befürworter von H.R. 9175 auf eine schnelle Verabschiedung drängen, warnen Kritiker vor möglichen Ungleichgewichten im Steuersystem. Die endgültige Entscheidung dürfte langfristige Auswirkungen auf die Besteuerung und Regulierung digitaler Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten haben.
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Zusammenfassung
- Kryptoverbände fordern den Kongress zur Verabschiedung von H.R. 9175 auf.
- Der Gesetzentwurf soll mehr Flexibilität bei der Besteuerung von Mining- und Staking-Erträgen ermöglichen.
- Banken und Kritiker lehnen die Pläne ab und verweisen auf eine mögliche Ungleichbehandlung verschiedener Einkommensarten.
Glossar wichtiger Begriffe
Krypto-Besteuerung: Steuerliche Regelungen für Einkünfte und Gewinne aus Kryptowährungen.
H.R. 9175: US-Gesetzentwurf, der flexiblere Zeitpunkte für die Besteuerung von Krypto-Erträgen vorsieht.
Mining: Prozess zur Verifizierung von Blockchain-Transaktionen gegen Belohnungen.
Staking: Hinterlegen von Kryptowährungen zur Unterstützung eines Netzwerks und zum Erhalt von Erträgen.
IRS: US-Steuerbehörde, die für die Erhebung von Steuern zuständig ist.
Häufig gestellte Fragen zur Krypto-Besteuerung
1. Worum geht es bei der Debatte über die Krypto-Besteuerung?
Im Mittelpunkt steht die Frage, wann Erträge aus Mining und Staking steuerpflichtig werden sollen.
2. Was sieht H.R. 9175 vor?
Der Gesetzentwurf ermöglicht eine flexiblere Wahl des Zeitpunkts für die Besteuerung von Krypto-Erträgen.
3. Was bedeutet „Phantom Income“?
Dabei handelt es sich um Steuern auf Kryptowerte, die noch nicht verkauft und somit nicht in Bargeld umgewandelt wurden.
4. Wer lehnt den Gesetzentwurf ab?
Bankenverbände sowie einige Politiker kritisieren mögliche Wettbewerbsverzerrungen und eine ungleiche steuerliche Behandlung.
Quellen
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz-, Anlage- oder Handelsempfehlung dar. Kryptowährungen sind mit hohen Risiken und starken Kursschwankungen verbunden. Leser sollten vor einer Investition eigene Recherchen durchführen und gegebenenfalls einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

