Basierend auf den verfügbaren Daten galt der 4-Jahres-Zyklus von Bitcoin, der an die Block-Reward-Halvings gekoppelt ist, bisher als Grundlage dafür, wie die Krypto-Community Marktzyklen und Timing versteht. Doch in einem aktuellen Essay „Long Live the King!“ erklärt Arthur Hayes, Mitgründer von BitMEX, dass der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus tot sei.
Hayes argumentiert, dass künftig Liquiditätsbedingungen, Zentralbankpolitik und monetäre Expansion den Kurs von Bitcoin bestimmen werden – nicht mehr die mechanischen Halving-Zyklen. Er meint, das alte Muster funktioniere in einer Zeit ungehemmter Fiat-Geldschöpfung nicht mehr. Gleichzeitig vertreten Gabe Selby und Adam McCarthy von Kaiko andere Ansichten, ob die Zyklen tatsächlich abgeschrieben werden können.
Hayes’ These: Warum der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus „tot“ ist
Hayes beginnt mit der Feststellung, dass Trader vergangene Muster anwenden, ohne die Ursachen zu verstehen. Er schreibt:
„Trader wollen das historische Muster übernehmen und das Ende dieses Bullruns vorhersagen, ohne zu verstehen, warum es früher funktioniert hat.“
Seiner Ansicht nach lagen die früheren Zyklen immer in Phasen von Liquiditätsexpansion (vor allem USD und CNY) und endeten, wenn die Geldpolitik straffer wurde. Das aktuelle Umfeld sei jedoch anders: Geldpolitik bewege sich in Richtung Lockerung, weshalb der Bitcoin-4-Jahres-Timer durch Halvings irrelevant werde.
Er verweist auf die jüngste Emissionsstrategie des US-Finanzministeriums: Durch die Ausgabe von Treasuries seien 2,5 Billionen USD aus der Reverse-Repo-Fazilität der Fed abgezogen und so unabsichtlich neue Liquidität in die Märkte gespült worden.
Außerdem betont Hayes, dass die Fed im September 2025 die Zinsen wieder gesenkt habe – trotz überdurchschnittlicher Inflation. Auch das sei ein Signal für anhaltend lockere Bedingungen.
Er fasst zusammen: Geld werde billiger und reichlicher – und Bitcoin werde von diesen geldpolitischen Trends profitieren.
Kurzum: Hayes lehnt den mechanischen 4-Jahres-Rhythmus ab und ersetzt ihn durch eine makroökonomische Liquiditätsthese.
Historische Zyklen neu Betrachtet: Wo Liquidität auf Timing trifft
Um Hayes’ Punkt zu verstehen, lohnt ein Blick zurück:
Genesis-Zyklus (2009–2013) – geprägt von Quantitative Easing nach der Finanzkrise und chinesischer Kreditausweitung.
ICO-Zyklus (2013–2017) – laut Hayes vor allem durch Yuan-Liquidität getrieben, weniger durch USD.
COVID-/Stimulus-Zyklus (2017–2021) – die „Helikoptergeld“-Ära, in der Fiat-Märkte überschwemmte.
Alle Zyklen, so Hayes, hätten ihren Höhepunkt erreicht, wenn die Liquidität gestrafft wurde – nicht einfach wegen der Halvings.
Da er keine aggressive Straffung erwartet, sei die Wahrscheinlichkeit eines klassischen Absturzes nach dem Hoch diesmal geringer.
Im Artikel „The Old Bitcoin Rules No Longer Apply“ wird Hayes’ Sicht zusammengefasst: Die Dollar-Geldmenge und die Kosten des Geldes seien heute relevanter als das Halving.
Das bedeutet: Historische Muster bleiben zwar interessant, verlieren aber an Vorhersagekraft im neuen geldpolitischen Regime.
Marktreaktionen, Echos und Kritik
Medien haben seine These so gerahmt, dass sie den „Abwärtsanker“ entfernt:
„Frühere Bärenmärkte wurden durch geldpolitische Straffung verursacht – nicht, weil das Halving-Window abgelaufen war.“
Manche Experten sehen in Hayes’ Ansatz eine konträre Sichtweise – fast wie die Projektion eines „endlosen Bullruns“ aufgrund von Liquidität statt mechanischen Zyklen.
Andere bleiben vorsichtig, etwa Adam McCarthy (Kaiko):
„Krypto ist 16 Jahre alt. Für einen so jungen Markt kann man kein fixes Muster aufstellen.“
Es gibt also ein geteiltes Bild, ob Zyklen abgeschafft oder nur umgedeutet werden.
Alternative Ansichten und Gegenargumente
Gabe Selby, Forschungschef bei CF Benchmarks, sieht es differenzierter. Er meint, der aktuelle Zyklus sei im Vergleich zu den Liquiditätsbedingungen um 20–50 % unterbewertet – es gebe also Potenzial innerhalb des Zyklusrahmens.
CF Benchmarks selbst betont, dass auch Makro- und Regulierungsfragen eine Rolle spielen; geldpolitische Lockerungen und ETFs könnten die Preisdynamik zusätzlich verändern.
Skeptiker warnen jedoch: Zyklen komplett abzuschreiben, überschätze die Stabilität von Zentralbanken. Sollte es wieder zu Straffungen kommen, könnten Liquiditätsannahmen rasch kippen.
Viele Analysten meinen zudem: Selbst wenn das 4-Jahres-Muster bricht, bleibe ein psychologischer „Zyklusgedächtnis-Effekt“. Investoren, die seit Jahren nach diesem Muster handeln, könnten damit weiterhin Pseudo-Zyklen erzeugen.
Was „Zyklus Ende“ für die Zukunft bedeutet
Wenn Hayes recht hat, werden Bitcoin-Märkte stärker makrogetrieben sein, weniger durch Halvings. Kursbewegungen würden mehr auf Zinssenkungen, Treasury-Ausgaben und globale Geldflüsse reagieren als auf Protokoll-Meilensteine.
Investoren müssten dann On-Chain-Liquidität, Makro-Signale und geldpolitische Indikatoren höher gewichten als reine Halving-Timings.
Fazit
Arthur Hayes sagt: Der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus ist vorbei. Fiat-Liquidität und Zentralbankpolitik, nicht mehr Halvings, werden den Kurs bestimmen. Die Reaktionen darauf sind gemischt, Gegenargumente gibt es viele – doch Hayes bringt einen neuen Blick in die Debatte.
Ob das nun ein klarer Bruch mit der Zyklus-Logik ist oder eine Evolution davon, bleibt offen.
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Zusammenfassung
Arthur Hayes erklärt im Essay „Long Live the King!“, dass der 4-Jahres-Bitcoin-Halving-Zyklus tot sei. Stattdessen würden globale Liquidität und lockere Geldpolitik (vor allem USD- und CNY-Flüsse) die Kurse treiben. Gabriel Selby und Adam McCarthy sehen es teilweise anders.
Glossar
Halving / 4-Jahres-Zyklus – Mechanismus, der alle 4 Jahre die BTC-Emission halbiert, bisher eng mit Bullen- und Bärenmärkten verbunden.
Liquidität / Geldpolitik – Zentralbankmaßnahmen, Fiat-Ausgabe und Kreditflüsse, die Geldmenge und -kosten beeinflussen.
Makro-Regime – Übergeordnete wirtschaftliche Bedingungen (z. B. Straffung oder Lockerung), die alle Assets betreffen.
Unterbewerteter Zyklus – Ansicht, dass Marktpreise die Liquidität oder Fundamentaldaten noch nicht vollständig widerspiegeln.
Monetärer Regimewechsel – Strukturelle Änderung der Zentralbankpolitik, die das Marktverhalten verändert.
Häufig gestellte Fragen zum Bitcoin-4-Jahres-Zyklus
Was ist der „4-Jahres-Zyklus“ bei Bitcoin?
Ein Muster, bei dem Bitcoin nach einem Halving stark steigt und 16–18 Monate später korrigiert.
Warum glaubt Hayes, dass dieser Zyklus vorbei ist?
Weil globale Liquidität, Zentralbankpolitik und Fiat-Flüsse jetzt entscheidend seien – mechanisches Timing sei obsolet.
Gibt es andere Stimmen, die widersprechen?
Ja. Gabe Selby meint, der aktuelle Zyklus sei unterbewertet, andere sehen weiterhin psychologische Effekte der Halving-Erwartung.
Heißt das, Bitcoin wird nie wieder crashen?
Nein. Hayes betont: Ein anderer Mechanismus – kein Freifahrtschein. Kommt es zu harter Straffung, können die Märkte trotzdem fallen.

