Binance Hack: Standard Chartered erwartet Schub für dezentrale Börsen

The bit journal logo
9 Min Read
Binance beziffert den Schaden auf 6,3 Mrd. $. Es wäre der größte je verzeichnete Krypto-Diebstahl.

Der Binance Hack mit einem geschätzten Schaden von 6,3 Mrd. US-Dollar könnte mehr Kryptohandel von zentralen Plattformen zu dezentralen Börsen (DEXs) verlagern, meint Geoffrey Kendrick, Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered. Seine Einschätzung kam am 30. Oktober 2026, nur Stunden nachdem Binance, laut Kendrick die größte zentrale Börse, Ein- und Auszahlungen gestoppt hatte. An seinem Kursziel von 100 $ für Uniswaps UNI-Token bis 2030 hält er fest.

  • Binance beziffert den Schaden auf 6,3 Mrd. $. Das wäre der größte Krypto-Diebstahl, der je verzeichnet wurde.
  • Nach eigenen Angaben hat Binance zusammen mit Partnern rund 3 Mrd. $ der betroffenen Assets eingefroren. Die Kundengelder seien sicher.
  • Laut TRM Labs scheint der Angriff mit einer staatlich unterstützten Hackergruppe aus Nordkorea in Verbindung zu stehen.
  • Kendrick nennt den Hack einen „weiteren Grund“, warum seine UNI-Prognose zu niedrig sein könnte. Zugleich warnt er, die Talfahrt sei womöglich noch nicht vorbei.

Chronologie: Der Binance Hack und die Folgen am Markt

  1. 2025: Bybit verliert bei einem Nordkorea zugeschriebenen Angriff 1,5 Mrd. $. Das war laut CoinDesk der bisherige Rekord für einen einzelnen Krypto-Diebstahl.
  2. 2. Quartal 2026: CoinGecko beziffert das Verhältnis von DEX- zu CEX-Spotvolumen bei den Top 10 auf 23,5 %, ein Plus von 2,1 Prozentpunkten gegenüber dem ersten Quartal.
  3. 30. Oktober, gegen 00:30 Uhr GMT: Binance meldet, dass alle Ein- und Auszahlungen „vorübergehend ausgesetzt“ sind. Die Börse führt Sicherheitsprüfungen durch, friert Gelder ein und arbeitet mit Strafverfolgungsbehörden zusammen.
  4. 30. Oktober, 03:47 Uhr UTC: Cointelegraph veröffentlicht Kendricks Einschätzung, wonach der Vorfall den Trend zu DEXs beschleunigen könnte.

So lief der Angriff ab

Die Erklärung von Binance fällt knapp aus. Das Statement auf X wurde von Yahoo Finance aufgegriffen. Demnach ergab eine erste Untersuchung, dass der Laptop eines „DevOps-Ingenieurs“ kompromittiert war. Darüber verschaffte sich der Angreifer Zugriff auf einen „Service-Container“ und konnte unautorisierte Auszahlungen auslösen.

Das ging schnell. TRM Labs schätzt, dass rund 6,36 Mrd. $ verteilt auf zehn Blockchains aus Binance-Wallets abflossen, der Großteil innerhalb von etwa 20 Minuten, wie CNBC berichtete. Glassnode-Daten, die Yahoo Finance zitiert, zeigen Abflüsse von 1,66 Mrd. $ in USDT, 17.985 BTC (rund 1,45 Mrd. $) und 767 Mio. $ in USDC.

Dieser Stablecoin-Anteil ist wichtig. Die Emittenten können USDT und USDC einfrieren, und genau das haben sie getan. Laut CNBC könnte der SAFU-Notfallfonds von Binance mit rund 1,2 Mrd. $ etwa ein Drittel der verbleibenden Verluste decken, falls die eingefrorenen Stablecoins zurückfließen. Eine ausführlichere Aufschlüsselung liefert unser Bericht zum Binance Hack über 6,3 Mrd. $.

Laptop auf dem Schreibtisch eines Ingenieurs neben einem Serverschrank, Anspielung auf das kompromittierte Gerät
Laut einer ersten Untersuchung von Binance verschaffte der kompromittierte Laptop eines DevOps-Ingenieurs dem Angreifer Zugang.

Das DEX-Argument von Standard Chartered

Kendrick wird deutlich. „Ich würde Anleger ermutigen, sich wieder mit Uniswap zu beschäftigen“, sagte er laut Cryptonews. Das ist seine Meinung, keine Empfehlung dieser Redaktion. Er behauptet, die DEX habe „noch nie einen Exploit“ erlebt, und der Hack der größten CEX dürfte dazu führen, dass das Verhältnis von DEX- zu CEX-Handel weiter steigt.

Sein UNI-Ziel von 100 $ stützt sich auf die frühere These der Bank, dass die in DeFi gebundenen Werte bis 2030 auf 2,7 Billionen $ wachsen könnten, wie Cointelegraph berichtete. Es handelt sich um eine langfristige Projektion, die an dieser Wachstumsannahme hängt, nicht um eine Gewissheit. Die Lücke ist groß: Nach CoinGecko-Daten, die Cointelegraph nennt, stand UNI nach dem Ausverkauf bei 6,48 $.

Dezentrale Börsen vermeiden ein bestimmtes Risiko, nämlich dass ein einzelnes Unternehmen die Kundengelder verwahrt. Dafür haben sie eigene Schwachstellen, von Fehlern in Smart Contracts über Bedienfehler bis zu Phishing-Angriffen auf Self-Custody-Wallets. Hintergründe zum Protokoll bietet unsere frühere Berichterstattung über Uniswap.

Marktreaktion auf den Binance Hack

Mit der Nachricht rutschten die Kurse ab. Laut CoinDesk wurden dabei gehebelte Futures-Positionen im Wert von über 1 Mrd. $ liquidiert, mehr dazu in unserem Bericht über die Liquidationen. Die gemeldeten Zahlen gingen auseinander. Cointelegraph sah BNB über 8 % und UNI 10,4 % im Minus. Investing.com meldete über Yahoo Finance, dass BNB den Verlust später auf 4,8 % eingrenzte, und CoinDesk bezifferte das 24-Stunden-Minus von UNI auf gut 3 %.

AssetKurs (30.10., 06:13 Uhr UTC)24h-Veränderung24h-Tief
Bitcoin (BTC)78.494 $-1,97 %76.443 $
Ethereum (ETH)2.241,67 $-3,17 %2.178,62 $
BNB715,98 $-4,85 %682,36 $
XRP1,26 $-2,99 %1,20 $
Solana (SOL)97,86 $-2,21 %92,64 $

Quelle: CoinGecko. Auch die Stimmung ist angeschlagen: Der Crypto Fear & Greed Index stand am 30. Oktober bei 30, also „Angst“.

Leerer Handelssaal im Morgengrauen als Sinnbild für die ängstliche Stimmung am Kryptomarkt nach dem Angriff
Der Fear & Greed Index stand am 30. Oktober bei 30, während der Markt die Nachricht verdaute.

Reaktionen aus der Branche

Tether-Chef Paolo Ardoino erklärte, sein Unternehmen habe rund 1,6 Mrd. $ im Zusammenhang mit einem möglichen Hack der Börse Binance eingefroren. Jeremy Allaire von Circle sagte, sein Unternehmen habe mehr als 800 Mio. $ in USDC eingefroren. Binance war zudem nicht die einzige betroffene Plattform. CoinDesk berichtete, dass Polymarket den internationalen Handel aussetzte, nachdem Hacker über 2,6 Mio. $ von Nutzerkonten abgezogen hatten (mehr dazu in unserem Polymarket-Bericht).

Einen Boden ruft Kendrick nicht aus. „Ich vermute, dass die negative Kursentwicklung noch etwas weiter geht“, sagte er laut Cryptonews. „Erst wenn die Assets wieder freigegeben sind und mehr Details zum Hack bekannt werden, finden wir eine neue Basis.“

Worauf es jetzt ankommt

Der erste Test ist, wann Binance die Auszahlungen wieder freischaltet und wie reibungslos das klappt. Der zweite: ob die eingefrorenen Stablecoins zurückkommen, denn davon hängt ab, wie viel der SAFU-Fonds auffangen muss. Spätere Daten zum DEX-CEX-Verhältnis zeigen dann, ob der Wert wie von Kendrick erwartet über 23,5 % hinaus steigt.

Sollte Kendrick mit seiner Warnung recht behalten, könnten die Kurse volatil bleiben, bis mehr Details vorliegen. Gehebelte Positionen können in so einem Umfeld schnell komplett verloren gehen, und Guthaben auf jeder Börse tragen ein Kontrahentenrisiko. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

FAQ zum Binance Hack

Wie viel wurde beim Binance Hack gestohlen?

Binance schätzt den Gesamtschaden auf 6,3 Mrd. $, TRM Labs beziffert die abgeflossene Summe auf rund 6,36 Mrd. $. Etwa 3 Mrd. $ hat Binance nach eigenen Angaben mit Partnern eingefroren.

Warum verbindet Standard Chartered den Binance Hack mit DEXs?

Kendrick argumentiert, dass ein Angriff auf die größte zentrale Börse mehr Handel auf dezentrale Plattformen wie Uniswap lenken dürfte. Das ist seine Meinung, kein feststehendes Ergebnis. Auch DEXs bergen Risiken, etwa bei Smart Contracts und der Selbstverwahrung.

Wer steckt hinter dem Angriff?

Laut TRM Labs scheint der Angriff mit einer staatlich unterstützten Hackergruppe aus Nordkorea in Verbindung zu stehen. Binance arbeitet nach eigenen Angaben mit Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Quellen

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

Share This Article
Keine Kommentare