Dieser Artikel wurde erstmals im The Bit Journal veröffentlicht: Was steckt im Plan für den digitalen Euro der EZB und kann das Projekt bestehende rechtliche Hürden überwinden?
Die Europäische Zentralbank plant den digitalen Euro bis 2029
Die Europäische Zentralbank (EZB) plant, den digitalen Euro im Jahr 2029 einzuführen – vorausgesetzt, es gelingt, die aktuellen rechtlichen und logistischen Herausforderungen zu lösen. Offizielle Stellen, die an der digitalen Zentralbankwährung (CBDC) arbeiten, bereiten derzeit die Abschlussphase der Entwicklungsarbeiten vor, die bis Ende Oktober 2025 abgeschlossen sein soll.
Laut einem Bericht von Bloomberg, der sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen beruft, überprüft die EZB derzeit die Vorbereitungsmaßnahmen für die aktuelle Projektphase, die bald endet. Die formellen Vorbereitungen für den digitalen Euro begannen bereits 2023, nach einer zweijährigen Untersuchungsphase.
Rechtliche Herausforderungen im Fokus
Sollte das neue CBDC-Projekt vollständig umgesetzt werden, befürchten einige Experten, dass damit auch Einschränkungen der finanziellen Freiheit innerhalb der EU einhergehen könnten. Das Projekt zielt jedoch über die bloße Modernisierung bestehender Zahlungssysteme hinaus. Analysten sehen darin ein strategisches Ziel, die Abhängigkeit von außereuropäischen Finanznetzwerken und privaten Kryptowährungen zu verringern.
Aktuell steht das Vorhaben vor rechtlichen Hürden, da sich nationale Regierungen und das Europäische Parlament noch nicht auf gemeinsame Regeln für die Einführung des digitalen Euro geeinigt haben. Einige Beobachter führen die Verzögerung auf die Haltung der Europäischen Volkspartei (EVP) zurück, die private Anbieter stärker in das Projekt einbeziehen möchte.
Sorge über die Dominanz von Stablecoins und US Zahlungsanbietern
Gleichzeitig wächst unter europäischen Entscheidungsträgern die Sorge über die starke Abhängigkeit von US-basierten Zahlungsdienstleistern wie PayPal, Visa und Mastercard. Ziel sei es, die Abhängigkeit von ausländischen Netzwerken im alltäglichen Zahlungsverkehr zu verringern.
Darüber hinaus sorgen sich Regulierungsbehörden über die Zunahme von US Dollar-gestützten Stablecoins, die zunehmend politischen Rückhalt in den Vereinigten Staaten erhalten. Viele europäische Zentralbanken und Aufsichtsbehörden sehen darin eine Gefährdung der europäischen Zahlungssouveränität und eine potenzielle Konkurrenz zum digitalen Euro.
Vertreter der EZB argumentieren, dass eine digitale Zentralbankwährung den Bürgern eine öffentlich kontrollierte Alternative für den Einzelhandel bieten und den Status des gesetzlichen Zahlungsmittels für Banknoten und Münzen sichern würde.
Fazit
Obwohl die EZB das Jahr 2029 als Ziel für die Einführung des digitalen Euro festgelegt hat, stehen noch zahlreiche rechtliche und organisatorische Fragen im Raum. EZB Direktoriumsmitglied Piero Cipollone bezeichnete Mitte 2029 bereits als realistischen Zeitrahmen, der mit den aktuellen Planungen übereinstimmt.
Entscheidend für den Erfolg bleibt jedoch die Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen in der EU. Parallel dazu arbeitet die EZB weiterhin an den technischen Details eines „Wholesale“ CBDC, das künftig die Abwicklung von Blockchain basierten Transaktionen mit Zentralbankgeld ermöglichen soll.
Glossar: Wichtige Begriffe
CBDC (Central Bank Digital Currency): Eine digitale Form des staatlichen Geldes, das direkt von der Zentralbank ausgegeben und durch sie abgesichert wird. Es ergänzt das Bargeld, ersetzt es aber nicht.
Digitaler Euro: Eine geplante digitale Version des Euro, die von der Europäischen Zentralbank ausgegeben und garantiert wird – ähnlich wie physische Euro-Banknoten und -Münzen.
EZB (Europäische Zentralbank): Die Zentralbank des Euro-Raums, zuständig für die Geldpolitik und Preisstabilität der Mitgliedstaaten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum digitalen Euro
Was ist der digitale Euro?
Der digitale Euro ist eine vorgeschlagene digitale Version des Euro, die direkt von der Europäischen Zentralbank ausgegeben wird. Er soll von der breiten Öffentlichkeit ähnlich wie Bargeld genutzt werden – nur in digitaler Form.
Wann wird er eingeführt?
Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen, ob und wann der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Die EZB hat jedoch das Jahr 2029 als Ziel für den Start festgelegt.
Wie könnten Zahlungen mit dem digitalen Euro aussehen?
Der digitale Euro könnte sowohl im stationären Handel als auch online verwendet werden – ähnlich wie heutige Kartenzahlungen. Auch Offline Zahlungen sollen möglich sein.
Wie funktioniert der digitale Euro technisch?
Der digitale Euro würde in einer elektronischen Geldbörse (Wallet) gespeichert, die über Banken oder öffentliche Vermittler zugänglich ist. Nutzer könnten damit wie gewohnt bezahlen – im Geschäft, online oder privat an Freunde sowohl über das Smartphone als auch über Kartenlösungen.

