Der Binance Hack, den die Börse am späten Abend des 29. Oktober 2026 öffentlich machte, ist laut TRM Labs der größte Krypto-Diebstahl, der je erfasst wurde. Rund 6,3 Mrd. US-Dollar an digitalen Vermögenswerten wurden aus den Wallets der Börse abgezogen, das meiste innerhalb von etwa 20 Minuten. Binance versichert, die Kundengelder seien sicher und alle Verluste würden ersetzt. Doch die Auszahlungen sind gestoppt, ein erheblicher Teil der gestohlenen Assets könnte sich noch unter Kontrolle der Angreifer befinden, und zwei Analysefirmen zeigen auf Nordkorea.
Das Wichtigste in Kürze
- Binance beziffert den Gesamtschaden auf rund 6,3 Mrd. US-Dollar. TRM Labs kommt auf 6,36 Mrd. US-Dollar, Chainalysis auf etwa 6,4 Mrd. US-Dollar.
- Nach Angaben von Binance sind rund 3 Mrd. US-Dollar on-chain eingefroren. Laut TechCrunch haben Tether etwa 1,56 Mrd. und Circle etwa 800 Mio. US-Dollar mit Bezug zum Hack gesperrt.
- Binance will die Verluste über den SAFU-Fonds und eigene Unternehmensmittel decken. Co-CEO Yi He rechnet damit, die Auszahlungen binnen 48 Stunden wieder freizugeben.
- TRM Labs und Chainalysis bringen den Angriff mit Nordkorea in Verbindung, TRM nennt die Gruppe TraderTraitor. Offiziell bestätigt ist das nicht.
Was beim Binance Hack passiert ist
Laut der On-Chain-Analyse von TRM Labs verschob ein Angreifer rund 6,36 Mrd. US-Dollar aus Binance-Wallets über zehn Blockchains, darunter Ethereum, Bitcoin, Tron, XRP Ledger, Solana, Arbitrum, Avalanche, Optimism, Base und Polygon. Der Großteil floss in etwa 20 Minuten ab, beginnend um 20:05 Uhr UTC am 29. Oktober.
Binance bezifferte den Schaden spät am selben Abend in einem Beitrag auf X auf rund 6,3 Mrd. US-Dollar. Wie Yahoo Finance berichtet, deuten die ersten Erkenntnisse der Börse auf den kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs hin. Über diesen Zugang erreichte der Angreifer einen „Service-Container“ und löste unautorisierte Auszahlungen aus. Hinweise auf offengelegte private Schlüssel der Wallets fand Binance nach eigenen Angaben nicht.
Richard Teng, den CryptoNews als Co-CEO von Binance bezeichnet, widerspricht der Darstellung, es gehe nur um gestohlene Zugangsdaten. Laut CryptoNews beschrieb er einen mehrstufigen Angriff, der über die Berechtigungen eines einzelnen Ingenieurs oder eine einzelne Aktion hinausging.
Eingedämmt ist der Schaden bisher nur teilweise. Rund 3 Mrd. US-Dollar der betroffenen Assets seien mit Hilfe von Blockchain-Partnern on-chain eingefroren worden, so Binance. TechCrunch meldete zudem, dass die Stablecoin-Emittenten Tether und Circle im Zusammenhang mit dem Hack etwa 1,56 Mrd. bzw. 800 Mio. US-Dollar gesperrt haben. Von CoinDesk zitierte Arkham-Daten zeigten, dass die Wallets des Hackers zeitweise mehr als 5,7 Mrd. US-Dollar hielten, darunter fast 1,5 Mrd. in BTC und 900 Mio. in ETH.
Wer steckt hinter dem Binance Hack?
Eine offizielle Zuordnung gibt es noch nicht. TRM Labs macht die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor verantwortlich, und ein Sprecher von Chainalysis sagte gegenüber CNN, das Unternehmen gehe mit „hoher Gewissheit“ davon aus, dass Nordkorea verantwortlich ist. Auch der On-Chain-Ermittler ZachXBT sieht laut CryptoNews TraderTraitor als Täter. Binance hat Strafverfolgungsbehörden und Spezialisten für Blockchain-Analyse eingeschaltet, um Transaktionen nachzuverfolgen und Gelder zurückzuholen.

Hintergrund: Reicht der SAFU-Fonds aus?
Den bisherigen Rekord hielt Bybit, das im Februar 2025 rund 1,5 Mrd. US-Dollar verlor. Laut Al Jazeera ging dieser Angriff auf die staatlich gestützte nordkoreanische Lazarus Group zurück. Der aktuelle Diebstahl ist nach Angaben von TRM Labs etwa viermal so groß.
Binance setzt auf seinen Secure Asset Fund for Users, kurz SAFU. Co-CEO Yi He schrieb auf X, „die Kundengelder sind sicher“ und „Binance wird alle Verluste aus dem Hack übernehmen“, wie Axios berichtet. Der Haken ist die Größenordnung. CoinDesk zufolge hält der 2018 gegründete SAFU-Fonds rund 1 Mrd. US-Dollar in Bitcoin. Der Großteil einer Lücke müsste also aus Binances eigenen Mitteln kommen.
Gründer Changpeng Zhao, im Oktober 2025 von Präsident Trump begnadigt und weiterhin größter Anteilseigner, schrieb auf X: „Ich leite Binance nicht mehr, aber als Anteilseigner erwarte ich, dass alle Kundengelder vollständig gedeckt werden.“ Neu ist die Lage für Binance nicht. Im Mai 2019 verlor Binance 7.000 BTC (damals rund 41 Mio. US-Dollar). Die Börse erklärte damals, ihr Sicherheitsfonds werde den Verlust auffangen, sodass Nutzer nicht betroffen seien. Der Fall zeigt aber auch: Wer Assets auf einer Börse verwahrt, trägt ein Verwahrungsrisiko, das er selbst nicht kontrolliert.
So reagiert der Kryptomarkt
Die Kurse gaben nach. CoinGecko-Daten, die investingLive zitiert, zeigten BNB am 30. Oktober gegen 00:15 Uhr GMT bei rund 694 US-Dollar, ein Minus von 8,6 % in 24 Stunden. Bitcoin lag bei etwa 77.700 US-Dollar.
| Asset | Kurs (30. Okt., 10:13 Uhr UTC) | 24 Std. | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 77.355 $ | -3,39 % | -5,01 % |
| Ethereum (ETH) | 2.223,01 $ | -4,02 % | -7,38 % |
| BNB | 702,24 $ | -5,62 % | -5,66 % |
| XRP | 1,25 $ | -3,07 % | -5,48 % |
| Solana (SOL) | 96,34 $ | -3,73 % | -7,46 % |
Quelle: CoinGecko. BNB schwankte binnen 24 Stunden zwischen 682,36 und 753,04 US-Dollar. Der Crypto Fear & Greed Index stand am 30. Oktober bei 30 („Fear“). Solange die Lage unklar ist, können die Kurse weiter stark schwanken.

Worauf es nach dem Binance Hack jetzt ankommt
Zuerst geht es um die Auszahlungen. Laut U.Today sagte Yi He am 30. Oktober, Binance rechne damit, sie innerhalb der nächsten 48 Stunden wieder zu ermöglichen. Einzahlungen funktionieren demnach normal. Unsere Einschätzung: Ein reibungsloser Neustart würde die Aussage stützen, dass die Börse den Verlust verkraften kann. Verzögerungen dürften dagegen für mehr Skepsis sorgen.
Binance kündigte zudem eine ausführliche technische Analyse nach Abschluss der Untersuchung an, ebenso einen aktualisierten Proof of Reserves nach der Behebung der Sicherheitslücken. Beide Dokumente könnten zeigen, wie der Angriff ablief und wie es um die Reserven steht. Ermittler arbeiten weiter daran, die nicht eingefrorenen Gelder nachzuverfolgen.
Vorsicht ist bei unaufgeforderten Nachrichten angebracht, die angeblich vom Binance-Support stammen oder Rückerstattungen versprechen. Seed-Phrase und Passwort gibt man niemandem weiter.
FAQ zum Binance Hack
Sind Kundengelder nach dem Binance Hack sicher?
Binance sagt ja und will alle Verluste über SAFU und Unternehmensmittel ersetzen. Das ist ein Versprechen des Unternehmens, dessen Einlösung von Binances eigenen Ressourcen abhängt. Nutzer können auf den angekündigten aktualisierten Proof of Reserves achten.
Wer war für den Angriff verantwortlich?
TRM Labs und Chainalysis sehen Nordkorea dahinter, TRM nennt die Gruppe TraderTraitor. Offiziell bestätigt ist die Zuordnung nicht.
Wann nimmt Binance die Auszahlungen wieder auf?
Co-CEO Yi He erklärte am 30. Oktober, Binance rechne mit einer Freigabe innerhalb von 48 Stunden. Einzahlungen laufen laut Binance normal.
Quellen
- Binance Hack: Are Funds Safu? What We Know So Far About the Biggest Heist in Crypto History (CryptoNews)
- North Korea Steals USD 6.36 Billion From Binance in the Largest Hack in History (www.trmlabs.com)
- Binance says $6.3bn stolen in biggest crypto heist in history (www.aljazeera.com)
- Crypto platform Binance confirms $6.3 bn hack (finance.yahoo.com)
- Binance pauses withdrawals as hackers suspected of stealing billions in crypto (techcrunch.com)
- Binance halts trading after biggest-ever crypto hack (www.axios.com)
- Binance loses over $6 billion in the largest crypto hack to date (www.coindesk.com)
- Binance Reveals When It Will Resume Withdrawals After Historic Hack – U.Today
- Binance halts deposits and withdrawals, pledges to cover all losses from suspected hack (investinglive.com)
- Binance: North Korea suspected in record $6 billion theft from world's largest crypto exchange (www.cnn.com)
- Bitcoin hack: $41m stolen from cryptocurrency exchange Binance (www.aljazeera.com)
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

