Dieser Artikel wurde zuerst auf The Bit Journal veröffentlicht.
Der jüngste Ansturm etablierter Krypto-Treasury-Unternehmen mag wie ein Zeichen von Stärke wirken, doch unter der Oberfläche brechen die finanziellen Grundlagen, die ihr schnelles Wachstum getragen haben, zunehmend weg.
Der sogenannte „unendliche Geld-Glitch“, ein Begriff dafür, wie Firmen zu hohen Bewertungen Kapital aufnehmen und dieses Geld nutzen konnten, um große Mengen an Kryptowährungen anzuhäufen, ist vorbei.
Während Unternehmen wie Strategy und BitMine Immersion Technologies (BitMine) weiterhin Bitcoin und sogar Ethereum kaufen, trotz fallender Aufschläge, zeigt der Bereich der Corporate-Kryptos zunehmende strukturelle Spannungen.
Die Expansion offenbart nun die Zerbrechlichkeit des Digital Asset Treasury (DAT) Modells.
Das Verschwinden des „Unendlichen Geld-Glitch“
Bis vor Kurzem nutzten viele dieser Krypto-Treasuries eine starke Arbitrage. Die Aktie wurde zu einem Vielfachen, etwa 2,5x oder mehr, des NAV (Net Asset Value) der grundlegenden Vermögenswerte des Unternehmens gehandelt.
Durch die Ausgabe neuer Aktien zu diesen überhöhten Bewertungen und den sofortigen Kauf von Bitcoin oder Ethereum druckten sie praktisch „Geld“. Dieser Kreislauf aus Aktienemission Krypto-Kauf Wertzuwachs pro Aktie trieb ein explosives Wachstum an.
Im Dezember 2025 liegt das m-Paying-over-NAV (mP-o-N) von Strategy näher bei 1,15x. Das von BitMine beträgt 1,17x.
Mit kollabierenden Aufschlägen erzeugt die Ausgabe neuer Aktien keinen übermäßigen Wert mehr. Statt Wertsteigerung drohen neue Aktienverkäufe die besondere Grundlage zu verwässern, die diese Großakquisitionen einst rechtfertigte.
Das Verschwinden dieses unendlichen Geld-Glitch zeigt tiefere Veränderungen in Stimmung und Struktur. Marktteilnehmer sehen diese Firmen zunehmend als gedämpfte Krypto-Wachstumsfahrzeuge mit hohen Barbeständen, nicht umgekehrt.
Ein aktueller Bericht beschreibt es so, dass der „DAT-Trade ein katastrophaler war“, da viele Aktien 50 bis 80 Prozent unter ihren Höchstständen handeln.
Was machen Strategy und BitMine jetzt?
Strategy, das größte börsennotierte Bitcoin-Treasury-Unternehmen, gab kürzlich bekannt, dass es 10.624 BTC für 962,7 Millionen Dollar erworben hat, die größte Wocheninvestition seit Juli. Damit steigt ihr Bestand auf über 660.000 BTC (3,3 Prozent des Gesamtangebots).
Strategy finanzierte einen großen Teil dieses Kaufs durch die Ausgabe neuer Stammaktien, wie auch bei früheren Bestandsaufbauten.
Das Unternehmen soll außerdem rund 1,44 Milliarden Dollar aufgenommen haben, um die Liquidität zu stärken, was die Sorgen der Anleger angesichts der hohen Schulden in einer Niedrigprämien-Umgebung lindern könnte.
Unterdessen ist BitMine das weltweit größte Corporate-Ethereum-Treasury und hat seine ETH-Bestände im letzten Monat deutlich erhöht.
On-Chain-Daten von Blockchain Analytics zeigen allein für diese Woche über 138.000 neu hinzugefügte ETH.
Der gesamte ETH-Bestand von BitMine soll über 2,1 Millionen Token liegen, manche Berichte schätzen sogar bis zu 3,7 Millionen ETH, was mehr als 3 Prozent des zirkulierenden Ethereum-Angebots ausmachen würde.
Statt nur auf Kursgewinne zu setzen, bewegt sich BitMine offenbar stärker in Richtung Rendite, insbesondere durch Staking von ETH zur Generierung netzwerkeigener Erträge.
Warum so viele Käufe trotz schwacher Fundamentaldaten?
Auf den ersten Blick wirkt der anhaltende Aufbau widersprüchlich, dennoch steckt eine Strategie dahinter. Für Strategy könnte der massive Zukauf ein Signal des Vertrauens sein, um die Märkte davon zu überzeugen, dass das Unternehmen langfristig an Bitcoin festhält.
Bei BitMine scheint es anders. Das Unternehmen legt offenbar den Grundstein für den Übergang von einer preisgetriebenen zu einer renditeorientierten Strategie, indem es ETH akkumuliert, um durch Staking kontinuierliche Einnahmen zu erzielen, unabhängig von Marktzyklen.
Strategy setzt weiter auf den Store-of-Value-Ansatz. BitMine setzt auf Ethereums Rolle in Smart Contracts, Stablecoins und institutioneller Nutzung. So oder so, beide handeln langfristig orientiert, allerdings gegen einen derzeit ungünstigen Markt.
Das große Ganze: DAT-Versagen und ETF-Konkurrenz
Der Moment betrifft nicht nur zwei Firmen. Er zeigt den größeren Zusammenbruch des DAT-Geschäftsmodells. Das Interesse an Corporate-Strukturen für Krypto-Exposure nimmt ab, während regulierte Produkte wie Spot- und Staking-ETFs an Beliebtheit gewinnen.
Ein Branchenbericht aus 2025 zeigt einen Rückgang von 81 Prozent bei neuen Corporate-Krypto-Treasury-Käufen in den letzten Monaten.
Viele Firmen, die zuvor enthusiastisch in das „Touristenklasse“-Segment der Krypto-Treasuries einstiegen, ziehen sich zurück, übrig bleiben nur die finanzstarken Platzhirsche.
Corporate-Treasuries müssen sich künftig nicht über Zugang, sondern über Hebel, Rendite oder alternative Return-Modelle differenzieren.
Was das für die Zukunft bedeutet
Es zeigt sich zunehmend, dass die Ära müheloser Corporate-Krypto-Akkumulation vorbei ist.
Was mit Giganten wie Strategy und BitMine passiert, hängt nun von drei Variablen ab: erneute Kryptonachfrage in 2026, die Stabilisierung der mNAV-Prämien über der Parität und das tatsächliche Wachstum im Bereich tokenisierter Vermögenswerte oder Staking-Renditen.
Wenn diese Faktoren ausbleiben, könnte das DAT-Modell entweder langsam auslaufen oder eine radikale Neuausrichtung benötigen.
Doch vorerst kaufen beide weiter. Es scheint mehr um die Optik der Bilanz zu gehen als um kurzfristige Gewinne.
Fazit
Das Ende des „unendlichen Geld-Glitch“, der auf erhöhten NAV-Prämien beruhte, ist mehr als nur eine technische Randnote.
DAT-Prämien fallen und gleichzeitig entstehen günstigere und effizientere direkte Krypto-Exposure-Produkte wie ETFs. Das Modell, das Corporate-Krypto-Treasuries Anfang 2025 antrieb, löst sich auf.
Übrig bleibt ein Balanceakt: weiter akkumulieren, um Vertrauen zu halten, und gleichzeitig in Richtung Rendite, Liquidität oder zukünftige tokenisierte Vermögensströme umschalten.
Das kommende Jahr wird zeigen, ob DAT-Firmen sich anpassen oder verschwinden.
Glossar
Digital Asset Treasury (DAT): Ein börsennotiertes Unternehmen, das Kryptowährungen wie BTC oder ETH als bedeutenden Teil seiner Firmenkasse hält.
Net Asset Value (NAV): Der Wert der Vermögenswerte eines Unternehmens geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien.
mNAV (modifizierte NAV-Prämie): Das Verhältnis, zu dem die Aktie eines DAT im Vergleich zum Wert seiner Kryptobestände gehandelt wird.
Equity Issuance (ATM): Eine Methode zur Kapitalbeschaffung durch den Verkauf neuer Aktien direkt am Markt.
Staking: Das Sperren bestimmter Kryptowährungen wie Ethereum, um ein Netzwerk zu unterstützen und Erträge zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen zu Krypto-Treasury-Firmen
Warum ist das DAT-Modell gescheitert?
Der Zusammenbruch begann mit dem Schrumpfen der mNAV-Prämie. Als diese Prämie fiel, wurde die Ausgabe neuer Aktien wertvernichtend und zerstörte die finanzielle Arbitrage, auf die das Modell angewiesen war.
Wenn es nicht mehr funktioniert, warum kaufen Strategy und BitMine weiter Krypto?
Strategy scheint Käufe zu tätigen, um langfristiges Vertrauen zu signalisieren und die Stimmung der Anleger zu stärken. BitMine hingegen geht einen renditebasierten Weg und kauft ETH für Staking-Erträge, nicht nur für Kursgewinne.
Sind Corporate-Krypto-Treasuries damit erledigt?
Nicht unbedingt, aber das Modell muss sich ändern. Mit ETFs und regulierten Alternativen im Aufwind müssen DATs auf mehr setzen als simple Arbitrage. Rendite, Liquidität oder Multi-Asset-Strategien könnten wichtiger werden.
Welche Optionen haben Anleger heute für Krypto-Exposure?
Anleger können regulierte Produkte wie Spot- und Staking-ETFs nutzen, die direkten Zugang zu Krypto bieten, meist kostengünstig und ohne die strukturellen Risiken von Corporate-Treasuries.
Quellen
CryptoSlate
RockItCoin
Investing
Crypto Economy
AInvest
Crypto News Flash
Barron’s

