Binance Hack: Börse stellt 6,34 Mrd. Dollar für Nutzerverluste bereit

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Binance will die Verluste aus dem Hack mit 6,34 Mrd. Dollar aus eigenen Mitteln ausgleichen.

Binance hat nach eigenen Angaben 6,34 Milliarden US-Dollar aus Firmenmitteln zurückgelegt, um jeden Dollar zu ersetzen, der beim Binance Hack am späten Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, aus den Hot Wallets der Börse abgeflossen ist. The Block berichtete am Freitag über die Zusage. Blockchain-Analysten sprechen vom größten bislang erfassten Krypto-Diebstahl und verweisen auf Nordkorea.

Warum das wichtig ist

Der Fall zeigt, ob eine große Kryptobörse einen Milliardenverlust verkraften kann, ohne ihn an die Nutzer weiterzugeben. Laut Binance deckt die Reserve die Kundenguthaben. Auszahlungen sind aber weiterhin gestoppt, und zentrale Fragen zum Angriff sind offen.

Was über den Binance Hack bekannt ist

Laut der Mitteilung der Börse vom Freitag liegen rund 5 Mrd. Dollar der zugesagten Summe bereits in genau den betroffenen digitalen Assets vor. Die übrigen etwa 1,3 Mrd. Dollar kauft Binance nach eigenen Angaben über den Markt und über OTC-Kanäle zu.

CEO Richard Teng bekräftigte die Zusage in einer Videobotschaft. Wie Decrypt berichtete, betonte er, Kundengelder seien zu keinem Zeitpunkt angetastet worden. Zudem sagte er, 5 Mrd. Dollar der Reserve lägen in genau den entwendeten Token vor, darunter USDC, USDT, BTC, ETH und BNB.

So lief der Binance Hack ab

Laut dem Analyseunternehmen TRM Labs zog ein Angreifer rund 6,36 Mrd. Dollar über zehn Blockchains aus Binance-Wallets ab. Der Großteil floss innerhalb von etwa 20 Minuten ab 20:05 Uhr UTC am 29. Oktober ab, eine zweite Welle folgte gegen 23:05 Uhr UTC, wie Securities.io festhielt. TRM nannte den Vorfall den größten Krypto-Diebstahl seit Beginn der Aufzeichnungen, etwa viermal so groß wie der Bybit-Hack über 1,5 Mrd. Dollar im Februar 2025.

Binance erklärte am späten Donnerstag, erste Untersuchungen deuteten auf den Laptop eines Ingenieurs als Einfallstor hin. Darüber habe der Angreifer Zugriff auf einen Service-Container erhalten und nicht autorisierte Auszahlungen einreichen können, so CNN. Teng ergänzte, der Täter habe einen Selbstzerstörungsmechanismus und eine EIP-7702-Delegation genutzt, die die üblichen Freigabekontrollen der Börse umging. Wie das funktioniert, erklärt unser Beitrag zum Missbrauch des Upgrades EIP-7702 beim Hot-Wallet-Hack von Binance.

Eingefrorene Gelder und Ermittlungsbehörden

Branchenpartner haben laut Binance rund 3 Mrd. Dollar der gestohlenen Assets eingefroren, schrieb CoinDesk. Tether-Chef Paolo Ardoino sagte laut Forbes, sein Unternehmen habe mehr als 1,56 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit einem möglichen Hack der Börse Binance gesperrt.

Reuters meldete in einem bei Yahoo Finance veröffentlichten Bericht, Stablecoin-Emittenten wie Tether und die von Trump unterstützte World Liberty Financial hätten etwa die Hälfte der Beute eingefroren. Laut einer mit der Sache vertrauten Person arbeitet Binance mit dem FBI und dem U.S. Secret Service zusammen. Die Börse verfügt laut ihrer Website zudem über einen Bitcoin-Reservefonds von 1 Mrd. Dollar, der Kundengelder bei Sicherheitsvorfällen schützen soll. Gründer Changpeng Zhao schrieb auf X, das Unternehmen halte SpaceX-Aktien im Wert von mehr als 1 Mrd. Dollar.

Laptop eines Ingenieurs nachts auf einem Schreibtisch neben einem Serverschrank, Symbol für das gemeldete Einfallstor
Laut Binance deuten erste Untersuchungen auf den Laptop eines Ingenieurs als Einfallstor hin.

Was noch unklar ist

Die größte Lücke betrifft das nicht eingefrorene Geld. Reuters merkte an, dass Binance den Status der restlichen 3,3 Mrd. Dollar nicht erwähnt hat. Wie viel davon sich noch verfolgen oder zurückholen lässt, geht aus den hier zitierten Berichten nicht hervor.

Auch die Urheberschaft ist nicht geklärt. NPR berichtete, TRM bringe den Angriff mit TraderTraitor in Verbindung, laut TRM Nordkoreas Elite-Hackereinheit. Ein Sprecher von Chainalysis sagte CNN, man gehe mit „hoher Zuversicht“ davon aus, dass Nordkorea hinter dem Hack stecke. Binance hat die Täterschaft nicht bestätigt. Auf die Nordkorea-Spur angesprochen, sagte ein Sprecher lediglich, man arbeite eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um die Identität der Täter zu bestätigen und sie vor Gericht zu bringen. Mehr zur Verbindung zu TraderTraitor lesen Sie in unserem Hintergrundbericht.

Dazu kommt die Chronologie. FinanceFeeds wies darauf hin, dass Binance am 27. Oktober erklärt hatte, in der Vorwoche mehrere Cyberangriffe mit Nordkorea-Bezug abgewehrt zu haben, ohne kompromittierte Systeme oder verlorene Assets. Laut demselben Medium finanzierten kleine Auszahlungen über Tornado Cash die Operator-Wallet ab dem 28. Oktober, also mindestens 36 Stunden vor dem Diebstahl. Ob die früheren Versuche mit dem Einbruch dieser Woche zusammenhängen, ist in den vorliegenden Berichten nicht belegt.

Selbst die Schadenssumme schwankt leicht: Die meisten Berichte nennen geschätzte 6,3 Mrd. Dollar, TRM beziffert die Abflüsse auf 6,36 Mrd. Dollar, die Reserve von Binance liegt bei 6,34 Mrd. Dollar.

Wie Märkte und Analysten reagierten

Alle fünf großen Assets in der Tabelle notierten im 24-Stunden-Vergleich im Minus. BNB, der am engsten mit der Börse verbundene Token, gab stärker nach als Bitcoin. Der Crypto Fear & Greed Index stand am 30. Oktober bei 30 („Fear“). Die Lage bei Derivaten beschreibt unser Bericht über die Marktfolgen und Liquidationen nach dem Binance Hack.

AssetKurs (USD)24 Std.7 Tage
Bitcoin (BTC)77.209 $-4,69 %-5,32 %
Ethereum (ETH)2.240,87 $-4,73 %-7,39 %
BNB699,89 $-6,40 %-6,42 %
XRP1,25 $-3,98 %-5,13 %
Solana (SOL)94,77 $-6,79 %-9,43 %

Daten: CoinGecko, 30. Oktober 2026, 17:13 Uhr UTC.

Zhao gab sich früh zuversichtlich. Er schrieb auf X, es sehe tatsächlich nach einem Hack bei Binance aus, und stellte klar, dass er die Plattform nicht mehr leitet. Als Anteilseigner erwarte er, dass alle Nutzergelder vollständig zurückgeholt werden. Das ist eine persönliche Erwartung, keine verbindliche Zusage.

Leerer Handelssaal in der Abenddämmerung mit dunklen Monitoren, Sinnbild für die vorsichtige Stimmung am Kryptomarkt
Große Kryptowährungen notierten am Tag der Reserve-Ankündigung von Binance schwächer.

Was der Binance Hack für Anleger bedeutet

Die Angaben zur Reserve stammen von Binance selbst und wurden in den zitierten Berichten nicht unabhängig geprüft. Tengs Zusicherung, die Kundenguthaben seien gedeckt, ist bemerkenswert. Sie hängt aber davon ab, dass die Börse ihre Token-Käufe abschließt und Auszahlungen wieder freigibt. Laut CNN rechnet Binance damit bis Sonntagmorgen.

Risiken nach dem Binance Hack

Der Fall erinnert an das Verwahrrisiko. Guthaben auf einer Börse hängen von deren Sicherheitssystemen und Zahlungsfähigkeit ab, und große Diebstähle können auch die größten Plattformen treffen. Die Kurse bleiben volatil, Verluste durch Hacks oder Marktbewegungen können erheblich ausfallen.

Vorsicht gilt zudem bei gefälschten Support-Konten und Phishing-Links, die den Vorfall ausnutzen könnten. Eine seriöse Börse oder ein echter Wiederherstellungsdienst fragt niemals nach Seed-Phrase oder privaten Schlüsseln.

Fazit

Binance hat 6,34 Mrd. Dollar aus eigenen Mitteln zugesagt, um Kundenverluste aus dem laut TRM größten Krypto-Diebstahl seit Beginn der Aufzeichnungen auszugleichen. Wie es weitergeht, hängt vom Neustart der Auszahlungen, vom Status der nicht eingefrorenen 3,3 Mrd. Dollar und von den Ergebnissen der Ermittler ab.

Quellen

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

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