Der EIP-7702 Binance Hack hat eine kaum beachtete Ethereum-Funktion in die Schlagzeilen gebracht. Am 29. Oktober 2026 nutzte ein Angreifer sie, um eine Hot Wallet von Binance auf einen bösartigen Smart Contract umzuleiten, mitten in einem Diebstahl, den Analysten auf bis zu 6,4 Mrd. US-Dollar beziffern. EIP-7702 ist kein Token, sondern eine Protokolländerung, die normalen Wallets seit Mai 2025 erlaubt, Smart-Contract-Code zu nutzen. Der Erklärartikel von Decrypt zeigt, warum das ein zweischneidiges Schwert ist.
- EIP-7702 („Set Code for EOAs“) ging am 7. Mai 2025 mit dem Pectra-Upgrade live.
- Jede Delegation muss mit dem privaten Schlüssel der betroffenen Wallet signiert werden. Ohne Schlüsselzugriff lässt sich die Funktion nicht auslösen.
- Die Schadensschätzungen reichen von rund 6,3 bis 6,4 Mrd. US-Dollar (Chainalysis), TRM Labs nennt etwa 6,36 Mrd. US-Dollar.
- Laut CCN flossen rund 3,66 Mrd. US-Dollar ohne EIP-7702 ab, über gewöhnliche Transfers und Auszahlungen auf anderen Blockchains.
- Binance will alle Verluste übernehmen und hat dafür rund 6,34 Mrd. US-Dollar aus Unternehmensmitteln zurückgestellt.
Chronologie zum EIP-7702 Binance Hack
- Mai 2024: Vitalik Buterin, Sam Wilson, Ansgar Dietrichs und lightclient verfassen die Spezifikation von EIP-7702.
- Februar 2025: Bybit verliert 1,5 Mrd. US-Dollar, damals der größte bekannte Krypto-Diebstahl. Das FBI machte eine mit Nordkorea verbundene Gruppe verantwortlich.
- 7. Mai 2025: Pectra und damit EIP-7702 werden im Ethereum-Mainnet aktiviert.
- Juni 2025: The Block berichtet über eine Auswertung von Wintermute, wonach mehr als 80 % aller EIP-7702-Delegationen auf Kopien eines einzigen bösartigen „Sweeper“-Contracts zeigen.
- 29. Oktober 2026, gegen 20:20 UTC (16:20 Uhr US-Ostküstenzeit): Laut Chainalysis beginnen Gelder aus Hot Wallets von Binance auf mehreren Blockchains abzufließen.
- 29. Oktober 2026, 20:20:59 UTC: Der Angreifer sendet eine Ethereum-Transaktion mit 50 EIP-7702-Autorisierungen, die auf die Hot Wallet „Binance 14“ zielen. Nur eine ist erfolgreich.
- 30. Oktober 2026, 0:30 Uhr US-Ostküstenzeit: Chainalysis ordnet den Diebstahl der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu.
- 30. Oktober 2026: Laut einem Update von Binance vermuten die Ermittler den Einstieg über den Laptop eines DevOps-Ingenieurs.

So funktioniert EIP-7702 und warum Entwickler es wollten
Ethereum kennt zwei Kontotypen. Externally Owned Accounts (EOAs) sind die Standard-Wallets der meisten Nutzer: per privatem Schlüssel gesteuert und kaum fähig, mehr als Transaktionen zu senden. Smart-Contract-Konten führen dagegen Code aus, etwa für Ausgabelimits, Wiederherstellung oder Gebühren in anderen Token als ETH. Gewechselt hat aber kaum jemand.
EIP-7702 schließt diese Lücke mit einer „Set Code Transaction“, die signierte Autorisierungen mit Verweis auf einen Contract enthält. Danach speichert die Wallet einen kleinen Zeiger, den sogenannten Delegation Indicator. Bei jedem Aufruf des Kontos führt Ethereum dann den Code dieses Contracts aus, mit vollem Zugriff auf das Guthaben, bis der Besitzer eine neue Autorisierung signiert.
Die Spezifikation nennt drei Ziele: mehrere Aktionen in einer Transaktion bündeln, Apps die Übernahme von Gasgebühren ermöglichen und Unterschlüssel mit eingeschränkten Rechten schaffen. „EIP-7702 legt das Fundament, das wir schon lange gebraucht haben“, sagte Core-Entwickler Preston Van Loon rund um den Pectra-Start gegenüber Decrypt.
Die Warnung steht schon in der Spezifikation
Die Autoren haben die Gefahr selbst benannt. Weil delegierter Code „uneingeschränkten Zugriff auf das Konto“ erhält, sollen Apps Nutzer nicht zum Signieren solcher Autorisierungen auffordern und Wallets dafür keine Oberfläche anbieten. „Es gibt keinen sicheren Weg, diese Schnittstelle bereitzustellen“, heißt es im Dokument. Binnen weniger Wochen leerten Betrüger mit Sweeper-Contracts Wallets, deren Schlüssel geleakt waren.

Was Ermittler und Medien berichten
Die On-Chain-Analyse von Blockaid, über die crypto.news ausführlich berichtet, zeigt: Die eine erfolgreiche Autorisierung leitete Binance 14 auf einen bösartigen Contract um. Die Transfers umfassten laut Blockaid 167.464 ETH und mehr als 1,6 Mrd. USDT. Den Ablauf Schritt für Schritt zeigt unsere Rekonstruktion, wie der Binance Hack ablief.
Doch der EIP-7702 Binance Hack drehte sich nicht nur um EIP-7702. Chainalysis weist darauf hin, dass eine Wallet per delegiertem Sweep geleert wurde, während andere Gelder über gewöhnliche signierte Transfers abflossen. CCN berichtet, dass rund 3,66 Mrd. der etwa 6,3 Mrd. US-Dollar ohne die Funktion abflossen. Beide Wege setzten Signaturzugriff voraus. Binance zufolge führten die ersten Ermittlungen zum Laptop eines Ingenieurs. Darüber gelangte der Angreifer, wie CNN berichtete, in einen Service-Container und reichte nicht autorisierte Auszahlungstransaktionen ein.
TRM Labs und Chainalysis nennen beide TraderTraitor, die Gruppe, die das FBI mit dem Bybit-Hack in Verbindung brachte. TRM Labs schätzte laut CNBC, dass rund 6,36 Mrd. US-Dollar über zehn Blockchains aus Binance-Wallets abflossen, das meiste innerhalb von etwa 20 Minuten. Die Belege fasst unser Bericht zur Zuordnung zu TraderTraitor durch TRM und Chainalysis zusammen. Zur Rückholung meldete Reuters über Yahoo Finance, dass Tether knapp 1,57 Mrd. und Circle mehr als 800 Mio. US-Dollar eingefroren haben. Binance spricht von bislang 3 Mrd. US-Dollar, die „on-chain eingefroren“ seien.
Die Kurse gaben nach, wie Daten von CoinGecko mit Stand 30. Oktober, 15:13 UTC, zeigen. Der Crypto Fear & Greed Index stand an diesem Tag bei 30 („Fear“). Mehr dazu liefert unser Beitrag über Liquidationen und die breiteren Marktfolgen.
| Asset | Kurs (USD) | 24 Std. | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 77.525 $ | -4,76 % | -5,9 % |
| Ethereum (ETH) | 2.248,91 $ | -4,71 % | -7,37 % |
| BNB | 703,07 $ | -6,39 % | -6,68 % |
Worauf es jetzt ankommt
Binance hat Kundenauszahlungen ausgesetzt. CEO Yi He sagte, sie sollten bis Sonntag wieder möglich sein. Bei 335 Mio. registrierten Nutzern, die Yahoo Finance nennt, ist dieser Zeitplan der erste Härtetest. Ebenso wichtig: weitere Einfrierungen, die Geldwäscherouten und mögliche Korrekturen der Schadenssumme.
Für Ethereum bleibt offen, ob Wallet-Anbieter und Verwahrer den Umgang mit EIP-7702-Autorisierungen verschärfen. Guthaben auf jeder Börse tragen ein Gegenpartei- und Sicherheitsrisiko. Und wer einen geleakten Schlüssel besitzt, kann das Guthaben einer Wallet bewegen, ganz gleich, wie das Protokoll gestaltet ist.
FAQ zum EIP-7702 Binance Hack
Was ist EIP-7702?
Eine Protokolländerung von Ethereum, aktiviert mit dem Pectra-Upgrade im Mai 2025. Sie erlaubt einer Standard-Wallet, an Smart-Contract-Code zu delegieren, ohne Adresse und Guthaben zu verlieren. Kaufen kann man EIP-7702 nicht.
War der EIP-7702 Binance Hack eine Schwachstelle in Ethereum selbst?
Die bisherigen Hinweise sprechen für kompromittierten Signaturzugriff. Jede Autorisierung braucht den Schlüssel der Wallet, die ersten Ermittlungen von Binance führen zum Laptop eines Ingenieurs, und laut CCN flossen rund 3,66 Mrd. US-Dollar ohne EIP-7702 ab.
Wer wird für den Diebstahl verantwortlich gemacht?
TRM Labs und Chainalysis ordnen ihn TraderTraitor zu, einer nordkoreanischen Hackergruppe.
Quellen
- What is EIP-7702? The Ethereum Upgrade Behind the $6.4B Binance Hack (Decrypt)
- Binance hack: How one wallet trick led to a $6.3 billion breach (crypto.news)
- Binance Hack Exposes EIP-7702 Wallet Risk in USD 6.3B Breach (www.analyticsinsight.net)
- Binance crypto hack: North Korea suspected to be behind biggest-ever heist (www.cnn.com)
- The $6.4 Billion Binance Exploit: Tracing the North Korea … (www.chainalysis.com)
- Ethereum's EIP-7702 Blamed for Binance's $6.3B Hack, but $3.66B Was Stolen Without It (www.ccn.com)
- Hackers steal $6.3 billion from Binance in record heist blamed on North Korea (finance.yahoo.com)
- Binance hit by record $6.3 billion crypto hack, likely linked to North Korea (finance.yahoo.com)
- Binance's $6.3 billion hack: What we know and what comes next (www.cnbc.com)
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

