Frankreichs Senat hat dem Austausch von Krypto-Steuerdaten mit ausländischen Steuerbehörden zugestimmt. Am 27. Oktober 2026 verabschiedete die Kammer in erster Lesung einen Gesetzentwurf zu Abkommen, die auf dem Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) der OECD beruhen. Der Text geht nun als Gesetzentwurf Nr. 3421 an die Nationalversammlung und ist noch kein Gesetz, wie Cointelegraph am 29. Oktober berichtete.
Warum das wichtig ist
Frankreich steuert auf ein System zu, in dem Steuerbehörden Daten zu Krypto-Konten automatisch austauschen. Tritt das Regelwerk vollständig in Kraft, könnten Identität, steuerliche Ansässigkeit und Transaktionssummen von Nutzern meldepflichtiger Plattformen zwischen den Steuerbehörden der teilnehmenden Staaten fließen.
Was über den Austausch von Krypto-Steuerdaten bekannt ist
Der Senat verabschiedete den Text am Dienstag, dem 27. Oktober, und leitete ihn zur Beratung an das Unterhaus weiter. Laut Cointelegraph umfasst der Entwurf zwei Teile: ein Abkommen über den Austausch von Steuerinformationen zu Kryptowerten und die Aktualisierung eines bestehenden Abkommens über Finanzkontoinformationen.
Der Krypto-Teil stützt sich auf CARF, einen Standard der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er gibt den teilnehmenden Staaten gemeinsame Regeln an die Hand, um Krypto-Transaktionsdaten zu erheben und automatisch untereinander weiterzugeben. Ein bei TradingView News veröffentlichter Bericht nennt als Grundlage Abkommen, die im November 2024 in Asunción (Paraguay) unterzeichnet wurden.
Welche Angaben der Austausch von Krypto-Steuerdaten umfasst
Nach dem Regelwerk müssten Krypto-Plattformen den Behörden für jeden Nutzer Identität, steuerliche Ansässigkeit und Steueridentifikationsnummer übermitteln. Dazu kämen die Zahl der Transaktionen, die Mengen und der Gesamtwert, jeweils aufgeschlüsselt nach einzelnen Assets. Erfasst werden:
- Umtausch von Krypto in Fiatwährung
- Tausch von Krypto gegen Krypto
- Übertragungen
Wer also einen Token gegen einen anderen tauscht oder Coins zwischen Wallets verschiebt, fällt nicht schon deshalb aus dem Meldenetz, weil dabei kein Euro den Besitzer wechselt.
Wie die neuen Regeln auf DAC8 aufbauen
Frankreich fängt nicht bei null an. Schon das Finanzgesetz 2025 führte Meldepflichten ein, indem es DAC8 umsetzte, die Krypto-Ergänzung der EU-Richtlinie über die Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden. Danach müssen Anbieter Kundenidentitäten und Transaktionsdaten an die Steuerbehörden melden, die sie an die Finanzämter im jeweiligen EU-Wohnsitzland weiterreichen.
Der Unterschied liegt in der Reichweite. DAC8 regelt den Datenfluss zwischen Behörden der EU-Wohnsitzstaaten. Die CARF-Abkommen setzen dagegen einen gemeinsamen Standard für die teilnehmenden Staaten und betreffen den Austausch zwischen internationalen Steuerbehörden. Unabhängig davon plant die EU-Kommission, wie Finwire berichtete, bis Ende 2026 ein zentrales Register für Krypto-Meldungen. Darüber sollen die Steuerbehörden jedes Mitgliedstaats auf Informationen zu den in ihrem Land ansässigen Personen zugreifen können.

Was noch offen ist
Einiges. Die Nationalversammlung muss den Gesetzentwurf Nr. 3421 erst noch beraten. Keine der Quellen nennt einen Termin für diese Debatte oder dafür, wann Frankreich den ersten Austausch auf CARF-Basis tatsächlich starten würde.
Gleichzeitig ringen die Abgeordneten um den Haushalt 2027. Am 16. Oktober nahm die Nationalversammlung einen Änderungsantrag an, nach dem Gewinne aus dem Umtausch in bestimmte an Fiatwährungen gekoppelte Stablecoins ab dem 1. Januar 2027 steuerpflichtig würden. Auch das ist noch kein Gesetz. Die Debatte über den Einnahmenteil des Haushalts wurde laut Finwire am Dienstag fortgesetzt, die Abstimmung ist für den 3. November angesetzt.
Zwei weitere Lücken fallen auf. Die Quellen sagen weder, welche Stablecoins der Änderungsantrag erfassen würde, noch, wie das geplante EU-Register abgesichert werden soll.
Wie Markt und Branche reagierten
Die Kurse bewegten sich kaum, und nichts deutet darauf hin, dass die Abstimmung den Handel beeinflusst hat. Die großen Coins notierten laut CoinGecko-Daten vom 29. Oktober 2026, 18:13 Uhr UTC, überwiegend seitwärts bis leicht schwächer.
| Asset | Preis (USD) | 24 Std. | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 80.755 $ | +0,07 % | -0,48 % |
| Ethereum (ETH) | 2.336,39 $ | -0,22 % | -1,65 % |
| BNB | 744,22 $ | -0,44 % | +2,37 % |
| XRP | 1,29 $ | -2,02 % | -1,80 % |
| Solana (SOL) | 100,91 $ | -0,49 % | -2,58 % |
Bitcoin pendelte binnen 24 Stunden zwischen 79.636 und 81.840 US-Dollar und liegt damit rund 36 % unter seinem Hoch von 126.080 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Der Crypto Fear & Greed Index stand am 29. Oktober bei 51 („Neutral“).
Sicherheitsbedenken bei zentral gespeicherten Krypto-Daten
Deutlicher fiel die Reaktion beim Thema Datensicherheit aus. Eine Kurzmeldung von KuCoin zitierte Faustine Fleuret von Morpho, die vor Risiken für die Datensicherheit warnte: Eine zentrale Speicherung könne zum „Single Point of Failure“ werden.
In Frankreich hat diese Sorge auch eine physische Dimension. Laut demselben KuCoin-Bericht zählte das Land im ersten Halbjahr 2026 33 sogenannte Krypto-„Wrench Attacks“, darunter einen Bitcoin-Diebstahl im Wert von 1 Million US-Dollar im März. Nach unserer Lesart liegt das Risiko darin, dass eine Datenbank, die Namen, Wohnorte und Bestände verknüpft, selbst zum Angriffsziel werden könnte. Wie Institutionen mit sensiblen Daten und Vertrauen umgehen, beleuchtet auch eine BIZ-Studie zu geschützten Rechenumgebungen für Zentralbanken.

Was das für Anleger bedeutet
Für in Frankreich Steuerpflichtige bedeutet das vor allem mehr Transparenz gegenüber dem Fiskus. Der Entwurf regelt den Informationsaustausch und keine neue Steuer. Er könnte aber verändern, was das Finanzamt weiß, sobald der Austausch beginnt, unter Umständen auch über Aktivitäten auf Plattformen in anderen teilnehmenden Staaten. Wer Tauschgeschäfte, Übertragungen und Umwandlungen lückenlos dokumentiert, kann die eigene Steuererklärung womöglich leichter mit den Plattformmeldungen abgleichen.
Die Risiken sollte man nüchtern benennen. Die Regeln können sich im parlamentarischen Verfahren noch ändern, gespeicherte persönliche Daten können in falsche Hände geraten, und Kryptokurse bleiben volatil: Ethereum lag am 29. Oktober über 30 Tage 12,63 % und über ein Jahr 41,11 % im Minus. Einen anderen Blick auf staatliche Krypto-Politik bietet unser Bericht zur strategischen Bitcoin-Reserve in den USA. Steuerregeln unterscheiden sich von Land zu Land. Wer unsicher ist, sollte sich an eine qualifizierte Steuerberatung wenden.
Fazit
Mit dem Senatsvotum rückt der Austausch von Krypto-Steuerdaten in Frankreich näher an die Gesetzeskraft, abgeschlossen ist das Verfahren aber nicht. Entscheidend sind jetzt der Zeitplan der Nationalversammlung für den Gesetzentwurf Nr. 3421, die Haushaltsabstimmung am 3. November und die Frage, wie die EU die sensiblen Daten schützen will, die sie zentral bündeln möchte.
Quellen
- French Senate adopts bill for automatic sharing of crypto tax data (Cointelegraph)
- French Senate Adopts Bill for Automatic Sharing of Crypto Tax Data (cointelegraph.com)
- French Senate approves OECD crypto tax data-sharing framework, TradingView News (www.tradingview.com)
- French Senate Adopts Bill for Automatic Sharing of Crypto Tax Data (finwire.io)
- French Senate Approves Bill for Automatic Crypto Tax Data Sharing (www.kucoin.com)
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

