Bloomberg, die Susquehanna International Group und Jump Trading haben laut Reuters die Truth Social API abonniert, einen kostenpflichtigen Feed, über den Kunden schneller an die Beiträge von Donald Trump kommen. Personen mit direkter Kenntnis der Vorgänge sagten der Nachrichtenagentur, der Zugang koste bis zu 100.000 US-Dollar im Monat. Es ist der erste gemeldete Fall, in dem namentlich genannte Kunden das Produkt abonniert haben.
Warum das wichtig ist
Trumps Posts können Finanzmärkte bewegen. Wer sie früher sieht, kann deshalb einen Handelsvorteil haben, den Privatanleger nicht haben. Verkäufer ist ein Unternehmen, an dem ein Trust zugunsten des amtierenden Präsidenten 41 % hält, und das Modell wird bereits vor Gericht angefochten.
Was über die Deals zur Truth Social API bekannt ist
Reuters berichtete am 28. Oktober 2026 zuerst darüber, Global Banking & Finance Review übernahm die Exklusivmeldung. Neben dem Daten- und Nachrichtenanbieter Bloomberg werden darin Susquehanna und Jump genannt, beides Hochfrequenzhändler mit automatisierten, algorithmischen Strategien. Alle drei wollten sich nicht äußern.
Wer die Truth Social API nutzt und was Kunden bekommen
Offiziell heißt das Produkt Truth API. Eine API (Application Programming Interface, also Programmierschnittstelle) verbindet zwei Softwaresysteme miteinander. Abonnenten erhalten Trumps Beiträge offenbar rund 50 Millisekunden früher, wie ein Vergleich von Newscord zur Berichterstattung von fünf Medien zeigt.
Fünfzig Millisekunden klingen nach nichts. Doch für Firmen, deren Algorithmen automatisch handeln, ist genau dieser Vorsprung bei marktbewegenden Posts der Kern der Sache. Die Japan Times wies darauf hin, dass er Wall-Street-Händlern einen Vorteil verschaffen könnte, den normale Anleger nicht haben.
Die Trump Media and Technology Group (Börsenkürzel DJT), der Mutterkonzern von Truth Social, kündigte die Truth API im Juli 2026 an. Im August teilte das Unternehmen Investoren mit, es habe mehr als 10 Kundenverträge abgeschlossen, überwiegend mit Wall-Street-Handelshäusern, die 60.000 bis 100.000 US-Dollar pro Monat zahlen, berichtete NewsBytes. Gegenüber Reuters verteidigte Trump Media das Angebot (sinngemäß übersetzt): „Truth Social bietet ein branchenübliches API-Produkt an, für das es in vielen Branchen eine erhebliche Nachfrage gibt.“
Wem das Unternehmen hinter dem Feed gehört
Ein Trust für Trumps Familie hält 41 % an Trump Media, einziger Begünstigter ist Trump selbst. Laut SEC-Unterlagen ist Donald Trump Jr. Treuhänder mit alleinigem Stimm- und Anlagerecht, wie BeInCrypto berichtete. Der Sprecher des Weißen Hauses, Davis Ingle, erklärte, Trump und seine Familie seien nicht direkt an Investitionsentscheidungen im Portfolio beteiligt. Auf den Vorwurf, Trump nutze sein Amt in unzulässiger Weise, ging er nicht ein.

Was noch offen ist
Was die drei Firmen jeweils zahlen, ist nicht öffentlich. Der Marktkommentar-Account Wall St Engine bezifferte die allgemeinen Kosten auf 70.000 bis über 100.000 US-Dollar monatlich, die Preise der konkreten Deals seien aber nicht offengelegt. Unklar bleibt auch, wie viele Abonnenten es über die im August genannten „mehr als 10“ hinaus gibt.
Ist die Truth Social API legal?
Geklärt ist das nicht. Reuters sprach vom vermutlich ersten Verkauf der Äußerungen eines amtierenden Präsidenten durch ein mit ihm verbundenes Unternehmen und nannte die rechtliche Grundlage ungeprüft.
Im August verklagten Intercept Media und die Freedom of the Press Foundation Trump und nannten den Bezahldienst „zutiefst korrupt“. Sie wollen erreichen, dass das Weiße Haus Truth Social nicht als einzigen Kanal für offizielle Mitteilungen nutzen darf, solange der Bezahl-Feed läuft. Ihr Argument: Gebühren für den Zugang zu Regierungsinformationen könnten verfassungswidrig sein. Zudem haben die demokratischen Senatoren Elizabeth Warren und Adam Schiff die US-Börsenaufsicht SEC aufgefordert zu prüfen, ob der Dienst gegen Wertpapiergesetze verstößt. Die Klage ist noch anhängig, eine Reaktion der SEC wird in der ausgewerteten Berichterstattung bislang nicht erwähnt.
Marktumfeld
Für die Trump-Media-Aktie lief das Jahr schlecht. Eine KuCoin-Kurzmeldung meldete unter Berufung auf Reuters, dass DJT in diesem Jahr mehr als 50 % verloren hat. Das Unternehmen wird inzwischen mit rund 1,8 Milliarden US-Dollar bewertet, nach etwa 8 Milliarden US-Dollar beim Börsendebüt im März 2024.
Am Kryptomarkt ging es am 29. Oktober leicht abwärts. Hinweise darauf, dass die Nachricht selbst die Kurse bewegt hat, gibt es nicht. CoinGecko-Daten um 10:13 Uhr UTC:
| Asset | Kurs (USD) | 24 Std. | 30 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 80.088 $ | -1,59 % | -4,43 % |
| Ethereum (ETH) | 2.316,98 $ | -2,06 % | -14,35 % |
| XRP | 1,29 $ | -2,95 % | -13,93 % |
| Solana (SOL) | 100,16 $ | -2,58 % | -15,88 % |
Bitcoin bewegte sich in den 24 Stunden zuvor zwischen 79.636 und 81.698 US-Dollar und liegt rund 36 % unter dem Rekordhoch von 126.080 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Der Crypto Fear & Greed Index stand am 29. Oktober bei 51 (neutral).
Den Kritikern geht es, wie sich durch die gesamte Berichterstattung zieht, im Kern um Fairness und nicht um Kurse. Wenn ein Post einen Vermögenswert bewegen kann, kann derjenige, der ihn zuerst sieht, handeln, bevor alle anderen reagieren.

Was die Truth Social API für Anleger bedeutet
Für Privatanleger heißt das: Das Rennen um die schnellste Reaktion auf Präsidenten-Posts ist inzwischen teilweise ein bezahltes. Firmen mit direkter Anbindung an die Truth Social API und automatisierten Strategien können binnen Millisekunden handeln. Wer eine App aktualisiert, kann das nicht.
Das betrifft alle, die auf Schlagzeilen traden, ob mit Kryptowährungen oder Aktien. Bis ein marktbewegender Post auf dem Smartphone erscheint, haben automatisierte Systeme womöglich schon darauf reagiert. Wer der Bewegung hinterherläuft, riskiert, nahe einem kurzfristigen Hoch zu kaufen oder nahe einem Tief zu verkaufen. Kryptowährungen bleiben sehr volatil, Positionen können schnell einen Großteil oder ihren gesamten Wert verlieren, besonders beim Handel mit Hebel.
DJT-Aktionäre tragen eigene Risiken: einen deutlichen Kursrückgang in diesem Jahr, ein zentrales Datenprodukt im Mittelpunkt einer Klage und Senatoren, die die Aufsicht zu genauerem Hinsehen drängen. Dieser Artikel dient der Information und ist keine Empfehlung, irgendeinen Vermögenswert zu kaufen oder zu verkaufen.
Worauf es als Nächstes ankommt: ein mögliches Urteil in der Klage der Pressegruppen, eine Reaktion der SEC auf Warren und Schiff und die Frage, ob Trump Media künftig Abonnentenzahlen oder Umsätze der Truth API offenlegt.
Fazit
Bloomberg, Susquehanna und Jump haben sich laut Berichten frühen Zugang zu den Posts des Präsidenten gesichert. Tempo bei offiziellen Äußerungen wird damit zum Abo-Produkt. Ob die Wall Street diesen Vorsprung auch künftig kaufen kann, könnte die anhängige Klage entscheiden.
Quellen
- Bloomberg Among Firms Paying Up to $100K a Month for Donald Trump's Posts (BeInCrypto)
- Exclusive-Bloomberg, two trading firms agree to pay Trump's Truth Social for faster access to president's posts, sources say – Global Banking & Finance Review (www.globalbankingandfinance.com)
- Bloomberg, 2 others pay to access Trump's posts 50-milliseconds faster (www.newsbytesapp.com)
- Bloomberg, Susquehanna, and Jump Trading Pay for Faster Truth Social Access to Trump Posts: 5 outlets compared (newscord.org)
- Bloomberg and trading firms to pay Truth Social for fast access to Trump's posts – The Japan Times (www.japantimes.co.jp)
- Bloomberg, Susquehanna, and Jump Pay Up to $100K Monthly for Trump's Truth Social Posts (www.kucoin.com)
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

