Der KI-Aktien-Abverkauf könnte den Kampf der US-Notenbank gegen die Inflation erleichtern, während die Flucht aus riskanten Anlagen auch Kryptowerte belastet. Jennifer Lee, Senior-Ökonomin bei BMO Capital Markets, sagte am 1. November in der Sendung Bloomberg This Weekend, geringere Investitionen in Rechenzentren könnten den Nachfragedruck abschwächen. BeInCrypto berichtete darüber.
Das ist eine wirtschaftliche Einschätzung, keine Änderung der Fed-Politik. Eine mögliche Entlastung durch weniger Bauaktivität könnte einige Zeit brauchen, bis sie sichtbar wird.
- Lee zufolge könnten geringere Ausgaben für KI-Infrastruktur die Baunachfrage und den Inflationsdruck dämpfen.
- Der S&P 500 verlor am 30. Oktober 1,8 Prozent, der stärkste Tagesrückgang seit Juni. Der Nasdaq Composite fiel um 2,9 Prozent, berichtete die Associated Press.
- Die Fed beließ ihren Leitzins am 28. Oktober bei 3,75 bis 4 Prozent. Zwei Verantwortliche sprachen sich für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus, berichtete Axios.
- Am 2. November um 14.13 Uhr UTC kostete Bitcoin 77.821 US-Dollar und lag 0,1 Prozent im Minus. Ether notierte bei 2.286,43 US-Dollar, ein Plus von 0,9 Prozent, laut CoinGecko.
- Der US-Arbeitsmarktbericht und Geschäftszahlen von Apple, AMD und Qualcomm sollten laut BeInCrypto Hinweise darauf geben, ob die Abkühlung anhält.
KI-Aktien-Abverkauf: Die wichtigsten Stationen
- 1. September 2026: Axios berichtete, dass die US-Ausgaben für den Bau von Rechenzentren im Juli eine annualisierte Rate von mehr als 75 Milliarden US-Dollar erreichten, fast 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
- 26. Oktober: Tom Lee, Vorsitzender von BitMine, verknüpfte den Kryptorückgang teilweise mit der risikoaversen Stimmung, die auch KI-Aktien belastete. Ether lag laut seiner Aussage 13 Prozent unter dem jüngsten Hoch, der Halbleiter-ETF SOXX im selben Zeitraum 20 Prozent im Minus.
- 28. Oktober: Die Fed hielt den Leitzins bei 3,75 bis 4 Prozent. Laut Axios befürworteten Lisa Cook und Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte.
- 30. Oktober: Der S&P 500 verlor 1,8 Prozent auf 7.580,07 Punkte, der Nasdaq Composite 2,9 Prozent auf 25.437,00 Punkte und der Dow 1,1 Prozent auf 51.770,31 Punkte, berichtete die Associated Press.
- 1. und 2. November: Lee äußerte sich bei Bloomberg This Weekend. BeInCrypto veröffentlichte den Bericht am 2. November. Die jüngsten verfügbaren Kryptokurse entwickelten sich uneinheitlich.

Warum der KI-Aktien-Abverkauf für die Inflation zählt
Rechenzentren benötigen Finanzierung, Energie, Grundstücke, Fachkräfte und Baumaterialien. Lees Argument, über das BeInCrypto berichtete: Die Kreditaufnahme und Bauvorhaben großer Cloudanbieter können zu höheren Zinsen beitragen und mit anderen Nutzern um knappe Ressourcen konkurrieren. Werden Projekte langsamer umgesetzt, könnte ein Teil dieses Drucks nachlassen.
Forschung stützt die Möglichkeit eines Effekts, belegt aber nicht, dass KI-Bauten allein die Inflation antreiben. Ein Beitrag der Federal Reserve vom 1. September schätzte, dass der Ausbau von Rechenzentren die jährliche US-PCE-Inflation 2030 unter plausiblen Annahmen um 0,04 bis 0,13 Prozentpunkte erhöhen könnte. Die Forschenden bezeichneten die Schätzung als vorläufig und untersuchten den Anteil der Stromkosten an der Inflation. Der Beitrag der Federal Reserve erläutert die Schätzung.
Austan Goolsbee, Präsident der Chicago Fed, sagte im September laut Axios ebenfalls, der Bau von Rechenzentren könne Gesamtnachfrage und Inflation erhöhen. Höhere Zinsen könnten zugleich Unternehmensinvestitionen, Bau, Wohnungsbau und langlebige Konsumgüter belasten. Wie stark und wann eine mögliche Entlastung eintritt, bleibt offen.
Beim KI-Aktien-Abverkauf geht es auch darum, ob hohe Technologieausgaben genug Gewinn und Produktivitätszuwachs bringen. Laut Associated Press gab Amazon 94,8 Milliarden US-Dollar für Sachanlagen aus, vor allem im Zusammenhang mit KI. Im vorangegangenen Zwölfmonatszeitraum verzeichnete das Unternehmen zugleich einen Abfluss von 42,4 Milliarden US-Dollar beim freien Cashflow. Anleger prüfen die Renditen ebenso wie die Versprechen der Technologie.

Wie Aktien, Zinsen und Kryptowerte reagieren
Die mögliche Inflationsentlastung hat eine Kehrseite. Fallende Technologieaktien können die Risikobereitschaft rasch verringern und Bitcoin sowie Ether belasten. Sollten die Kreditkosten später sinken und niedrig bleiben, könnten Anleihen und Bargeld geringere Erträge bieten. Vermögenswerte wie Bitcoin und Ether könnten dann relativ attraktiver erscheinen. Ein Aktienrückgang allein belegt jedoch nicht, dass die Zinsen sinken werden.
Der Fed-Beschluss im Oktober war eine Zinspause, keine Senkung. Die Notenbank benötige mehr Informationen, um die angemessene Geldpolitik einzuschätzen, berichtete Axios. Zwei Verantwortliche plädierten für eine Zinserhöhung. BeInCrypto zufolge beschrieb Lee die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh als recht falkenhaft. Eine Straffung im Dezember hielt sie nach eigener Einschätzung für sehr wahrscheinlich.
Auch die Kryptokurse entwickelten sich uneinheitlich. Am 2. November um 14.13 Uhr UTC lag Bitcoin laut CoinGecko innerhalb von sieben Tagen 2,91 Prozent im Minus, Ether 1,49 Prozent. Der Fear & Greed Index von Alternative.me stand am selben Tag bei 37, in der Kategorie „Angst“. Diese Momentaufnahmen beschreiben die damaligen Marktbedingungen, sie sind keine verlässliche Prognose.
Tom Lees Vergleich, den BitMine in einer Mitteilung vom 26. Oktober veröffentlichte, verweist auf gleichzeitigen Verkaufsdruck bei Kryptowerten und Halbleiteraktien. Ähnliche Bewegungen in einem kurzen Zeitraum beweisen nicht, dass sich beide Märkte künftig gemeinsam entwickeln.

Worauf Anleger und Märkte jetzt achten
Der Arbeitsmarktbericht und die Ergebnisse großer Unternehmen könnten Hinweise auf die Investitionsdynamik liefern. BeInCrypto nannte für diese Woche den US-Arbeitsmarktbericht sowie Geschäftszahlen von Apple, AMD und Qualcomm. Geringere Ausgaben könnten Lees Argument einer nachlassenden Inflation stützen. Anhaltend hohe Investitionen oder robuste Inflationsdaten würden weniger für eine Entspannung sprechen.
Der KI-Aktien-Abverkauf entscheidet nicht allein über den nächsten Schritt der Fed. Energiepreise, Finanzpolitik und weitere Inflationsdaten spielen ebenfalls eine Rolle. Bei Kryptowerten kann eine geringere Risikobereitschaft schnell zum Belastungsfaktor werden. Ein möglicher Vorteil durch niedrigere Zinsen hängt davon ab, ob sich Erwartungen an die Geldpolitik und Renditen tatsächlich verändern.
Häufige Fragen
Kann ein KI-Aktien-Abverkauf die Inflation senken?
Das ist möglich, wenn dadurch weniger Rechenzentren gebaut werden und die Nachfrage nach Energie, Arbeitskräften, Materialien und Krediten sinkt. Der Effekt ist ungewiss und würde andere Ursachen der Inflation nicht beseitigen.
Hat die Fed nach dem KI-Aktien-Abverkauf die Zinsen gesenkt?
Nein. Am 28. Oktober 2026 ließ die Fed ihren Leitzins bei 3,75 bis 4 Prozent. Laut Axios sprachen sich zwei Verantwortliche stattdessen für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus.
Warum können Kryptowerte fallen, wenn Technologieaktien nachgeben?
Anleger können bei verschiedenen Anlageklassen gleichzeitig Risiken abbauen. Niedrigere Zinsen könnten die Nachfrage später stützen, doch dieser Effekt ist unsicher und Kryptokurse können stark schwanken.
Quellen
- Data Center Boom Expected to Raise Electricity Component of PCE Inflation (www.frbsf.org)
- AI Stocks Finally Help the Fed Fight Inflation, by Falling (BeInCrypto)
- Wall Street drops to its worst day since June after the sell-off for tech stocks deepens (apnews.com)
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind sehr volatil, recherchieren Sie daher immer selbst, bevor Sie investieren.

